Die Pflanze, unter der man sich küsst, ist der Mistelzweig. Dieses kleine immergrüne Gewächs mit weißen Beeren hängt seit Jahrhunderten während der Feiertage in Türrahmen. Die Tradition ist bis heute lebendig und zeigt keinerlei Anzeichen, dass sie bald verschwinden wird.
Als ich zum ersten Mal von Mistelzweigen erfuhr, war das im Haus meiner Großmutter. Sie hängte jeden Dezember einen frischen Zweig über die Küchentür. Sie band ihn mit rotem Band fest und wartete darauf, dass Familienmitglieder hindurchgingen. Die Stimmung war warm und verspielt. Es fühlte sich eher wie ein Familienspiel an als wie eine peinliche Party-Aktion. Diese Erinnerung begleitet mich jede Weihnachtszeit.
Nach meiner Erfahrung variiert der Mistelzweig-Kussbrauch je nach Land. In England hängen Pubs Bündel davon über die Theke. Auf Weihnachtsmärkten werden frische Zweige armladeweise verkauft. In den USA findet man sie auf Hauspartys und Firmenfeiern. Jede Kultur gibt dem Brauch ihre eigene Note. Die Grundidee bleibt gleich: Ein Kuss unter dem grünen Zweig bringt Glück und warme Gefühle.
Die Wurzeln des Mistelzweig-Kussbrauchs reichen bis in die nordische Mythologie zurück. Der Gott Baldur wurde von einem Pfeil aus Mistelholz getötet. Seine Mutter Frigga weinte Tränen, die sich in die weißen Beeren der Pflanze verwandelten. Als die Götter Baldur wieder zum Leben erweckten, erklärte Frigga die Mistel zu einem Symbol der Liebe und des Friedens. Sie versprach, jeden zu küssen, der darunter hindurchging. Diese Geschichte gab dem Brauch seinen Ursprung, den Sie noch heute sehen.
Englische Bedienstete machten im 18. Jahrhundert aus dem Mythos ein Partyspiel mit klaren Regeln. Ein Mann durfte jede Frau küssen, die unter dem Mistelzweig stand. Aber er musste jedes Mal eine Beere vom Zweig pflücken. Wenn die Beeren aufgebraucht waren, war das Küssen vorbei. Viktorianische Haushalte übernahmen diese Regel und verbreiteten sie im gesamten Britischen Empire. Der Brauch überquerte den Atlantik und fasste auch in Amerika Fuß.
Was Sie vielleicht nicht wissen: Die Pflanze selbst hat einige faszinierende Eigenschaften. Mistel ist ein Halbparasit, der auf Baumästen wächst und seinem Wirt Wasser entzieht. Aber sie erzeugt durch Sonnenlicht trotzdem ihre eigene Nahrung. Weltweit gibt es über 1.300 Arten. Während der Weihnachtszeit sehen Sie meist die europäische oder amerikanische Variante. Beide haben die gleichen weißen Beeren und grünen Blätter, die man erwartet.
Der Mistelzweig-Feiertagsbrauch bleibt Jahr für Jahr beliebt. Über 60 % der Amerikaner hängen ihn im Dezember auf. Der Verkauf frischer Mistelzweige steigt zwischen Thanksgiving und Weihnachten sprunghaft an. Von Ende November bis Jahresende können Sie Zweige bei Floristen, auf Wochenmärkten und in Online-Shops kaufen.
Wenn Sie echte Mistelzweige für Ihr Zuhause möchten, kaufen Sie beim Floristen oder einem vertrauenswürdigen Online-Anbieter. Hängen Sie sie mit einem Band in einem Türrahmen auf mindestens 2,10 Meter Höhe auf, damit Ihre Gäste überrascht werden. Ein Sicherheitshinweis: Die Beeren sind giftig beim Verschlucken und können bei Kindern und Haustieren Bauchschmerzen verursachen. Verwenden Sie künstliche Mistelzweige, wenn Sie kleine Kinder oder Tiere im Haus haben. Sie können auch die Beeren von frischen Zweigen entfernen, bevor Sie sie aufhängen. Der Brauch funktioniert genauso gut ohne die Beeren.
Sie können das Beste aus Ihrem Mistelzweig herausholen, indem Sie ihn dort platzieren, wo der meiste Durchgangsverkehr herrscht. Ihr Eingangsflur oder die Küchentür eignen sich hervorragend. Tauschen Sie frische Zweige alle zwei Wochen aus, da sie austrocknen und ihre grüne Farbe verlieren. Wenn Sie sich für eine künstliche Variante entscheiden, können Sie sie Jahr für Jahr wiederverwenden und dabei Geld sparen. So oder so halten Sie eine Tradition am Leben, die seit Hunderten von Jahren Lächeln in Häuser bringt. Ihre Gäste werden den kleinen Hauch festlicher Stimmung lieben, den er Ihrem Zuhause verleiht.
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