Vielleicht fragst du dich, ob Raupen es mögen, gestreichelt zu werden – die kurze Antwort ist nein. Sie empfinden keine Freude durch deine Berührung, wie es dein Hund oder deine Katze tut. Ihr Gehirn ist dafür viel zu einfach aufgebaut. Deine Raupe kann zwar Druck und Bewegung auf ihrem Körper wahrnehmen. Aber ein sanftes Streicheln mit deinem Finger zu genießen, ist etwas, das sie überhaupt nicht verarbeiten kann.
Die Reaktion einer Raupe auf Berührung ist ein reiner Reflex. Ihr Körper ist mit winzigen Sinneshaaren bedeckt, die Vibrationen und den Druck deiner Finger aufnehmen. Wenn etwas Großes sie berührt, wertet ihr Nervensystem das als Bedrohung für ihre Sicherheit. Ich habe das bei meinen Herbstspaziergängen im Wald nahe meinem Zuhause schon dutzende Male beobachtet. Nimm einen Bärenspinner auf und er rollt sich innerhalb einer Sekunde zu einer engen Kugel zusammen – jedes einzelne Mal.
Das Missouri Department of Conservation weist darauf hin, dass sich Bärenspinner zu einer Kugel zusammenrollen, wenn man sie stört. Das ist eine Abwehrreaktion, kein Zeichen von Freude. Nach zehn bis dreißig Sekunden rollt sich die Raupe wieder auf und beginnt über deine Handfläche zu kriechen. Dabei bewegt sie ihren Kopf von Seite zu Seite über deine Haut. Viele denken, dieses ruhige Krabbeln bedeutet, dass die Raupe deine Gesellschaft mag. Aber sie versucht nur, den Weg zurück zum Boden und zu ihrer nächsten Mahlzeit zu finden.
Das Gehirn deiner Raupe arbeitet mit etwa 100.000 Neuronen für alles, was sie tun muss. Vergleiche das mit den Milliarden in deinem eigenen Gehirn, die dein tägliches Denken ermöglichen. Säugetiere wie du empfinden Freude über ihr limbisches System und Belohnungszentren im Gehirn. Diese Hirnbereiche setzen Botenstoffe wie Dopamin frei, wenn du deinen Hund streichelst oder deine Katze umarmst. Raupen haben stattdessen nur eine einfache Kette von Nervenknoten, sogenannte Ganglien. Sie können spüren, dass du sie berührst. Aber sie können sich nicht darüber freuen.
Manche Arten tolerieren das Anfassen allerdings besser als andere. Bärenspinner, Schwärmerlarven und Monarchraupen bleiben nach dem ersten Schreck meist ruhig. Haarige Raupen mit Brennborsten lassen dich deinen Versuch schnell bereuen. Für sicheres Anfassen von Raupen musst du wissen, mit welcher Art du es zu tun hast, bevor du sie berührst. Das ist wichtig für deine Haut und dein Wohlbefinden bei deiner Begegnung mit der Natur. Schau immer erst genau hin, bevor du nach einer Raupe greifst, die du bei deinem Spaziergang entdeckst.
Wenn du einer Raupe nahekommen möchtest, gehe richtig vor – zu deiner Sicherheit und zum Wohl der Raupe. Lege deine offene Hand flach vor sie hin. Lass die Raupe von selbst auf deine Handfläche kriechen, statt sie von oben zu greifen. Ein Griff von oben ahmt nach, wie ein Vogel sie packen würde, was die Raupe viel mehr erschreckt. Halte das Anfassen auf ein bis zwei Minuten begrenzt, da deine Körperwärme das kleine Tier stressen kann, wenn du es zu lange auf deiner warmen Haut hältst.
Setze deine Raupe wieder genau an die Stelle zurück, wo du sie gefunden hast. Platziere sie auf Pflanzen oder in der Nähe ihrer Futterquelle, damit sie keine Energie mit der Suche nach einem neuen Platz verschwendet. Ein Bärenspinner, der in deinem fremden Garten abgesetzt wird, muss von vorne anfangen, Futter und Unterschlupf zu finden. Dein kurzer und sanfter Besuch gibt dir einen tollen Blick aus der Nähe, ohne der Raupe zu schaden. Bedenke nur, dass das ruhige Krabbeln über deine Hand bedeutet, dass sie nach Hause will – und nicht, dass sie sich mit dir anfreundet.
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