Zimmerpflanze · Moraceae
Geigenfeige
Ficus lyrata
Schenk ihr helles, indirektes Licht und einen festen Platz, und deine Geigenfeige dankt es dir mit großen, glänzenden Blättern.
Hell, indirekt
bis -1°C
0,6–3 m

Überblick
Wer eine einzige auffällige Pflanze sucht, die einen Raum trägt, landet oft bei der Geigenfeige, und als erste große Zimmerpflanze ist sie eine wunderbare Wahl. Sie gehört zur Familie der Maulbeergewächse und stammt aus den warmen Wäldern West und Westzentralafrikas, wo sie zu einem echten Baum heranwächst. In deinem Zuhause bleibt sie eine hohe, aufrechte Solitärpflanze mit breiten, glänzenden Blättern in Form einer Geige.
Lass dich vom Ruf, sie sei heikel, nicht abschrecken, denn in Wahrheit ist sie viel gutmütiger. Diese Pflanze verlangt wenig, solange du ihr Beständigkeit gibst: dieselbe helle Ecke, einen Gießrhythmus, auf den sie sich verlassen kann, und keine überraschenden Umzüge oder kalte Zugluft. Triffst du diese Punkte, verzeiht sie viele kleine Patzer. Schiebst du sie ständig hin und her oder gießt du völlig unregelmäßig, sagt sie es dir mit braunen Flecken und ein paar abgeworfenen Blättern, und beides bekommst du wieder in den Griff.
Gut umsorgt wächst sie über einige Jahre von Tischgröße bis fast zur Decke und erreicht drinnen 60 cm bis 3 m. Neben dieser schönen Höhe gibt es nur eines zu bedenken: den milchigen Saft, der die Haut reizen kann und für Tiere nicht ungefährlich ist. Deshalb steht sie am besten dort, wo Katzen, Hunde und Kinder nicht herankommen.
Pflege
Kurz gesagt: helles, indirektes Licht, ein Gießrhythmus, den du hältst, indem du zuerst die oberen paar Zentimeter antrocknen lässt, eine schnell abtrocknende, saure Blumenerde und eine warme, zugfreie Ecke, in der sich deine Pflanze einleben und wohlfühlen kann.
Licht
Stell sie an einen Platz mit hellem, indirektem Licht, am besten nahe einem Fenster, wo die Sonne nicht direkt auf die Blätter brennt. Etwas Halbschatten steckt sie gut weg, doch kräftige direkte Nachmittagssonne kann die Blätter verbrennen, also dämpfe das Licht oder rück die Pflanze aus der heißesten Zone zurück.
Gießen
Greif zur Gießkanne, sobald sich die oberen paar Zentimeter der Erde trocken anfühlen, was du mit dem Finger etwa 5 cm tief prüfen kannst. Deine Feige mag beide Extreme nicht, also lass den Wurzelballen weder ganz austrocknen noch vom Topf wegschrumpfen, und lass sie auch nicht im Wasser stehen. Vom Herbst in den Winter gießt du dann sanft weniger.
Boden
Setz sie in eine schnell abtrocknende, lehmige, saure Mischung, die ein wenig Feuchtigkeit hält, ohne nass zu werden. Ziel ist ein pH-Wert von 6,0 oder knapp darunter, und wähle immer einen Topf mit Abzugslöchern, damit das Wasser gleich durchlaufen kann.
Temperatur
Halte deine Pflanze gemütlich warm, über 12,8°C, und fern von kalten Fenstern und Zugluft. Schnelle Temperaturschwankungen sind ein häufiger Grund für Flecken oder abfallende Blätter, deshalb ist ein ruhiger, gleichmäßig temperierter Platz drinnen genau ihr Wohlfühlort.
Luftfeuchtigkeit
Ganz normale Zimmerluftfeuchte reicht völlig, es gibt also keine Zahl, über die du grübeln müsstest. Ein einfaches Abwischen der großen Blätter ab und zu hilft weit mehr als Besprühen, denn staubfreie Blätter fangen das Licht besser ein.
Düngen
Im Frühjahr und Sommer gönnst du ihr wöchentlich einen verdünnten Flüssigdünger im Verhältnis 3-1-2 (NPK), den du ins Gießwasser gibst. Der zusätzliche Stickstoff ist genau richtig für all die Blätter. Sobald das Wachstum zum Jahresende nachlässt, kannst du das Düngen einstellen.
Schneiden
Deine Geigenfeige verträgt einen Schnitt anmutig, also schneide sie ruhig in Form oder halte ihre Größe im Zaum, wann immer es dir passt. Trag dabei nur Handschuhe, denn der milchige Saft, der aus den Schnittstellen tritt, kann die Haut reizen.
Umtopfen
Setz sie alle 1 bis 2 Jahre in einen größeren Topf um, sobald sie dem alten entwachsen ist, auch wenn sie ein wenig eingewurzelt durchaus zufrieden ist. Das Zeichen zum Umtopfen sind Wurzeln, die aus den Abzugslöchern lugen, oder Erde, die rasch austrocknet und sich vom Topfrand zu lösen beginnt.
Größe & Abstand
24–120 in (61–305 cm) hoch
Probleme lösen
Fast jedes kleine Problem der Geigenfeige zeigt sich an den Blättern, und meistens führt es zurück auf das Gießen oder eine kürzliche Veränderung rund um die Pflanze. Das Gute daran: Wer die Zeichen früh erkennt, behebt die Ursache, bevor sie sich ausbreitet. Suche unten heraus, was zu deiner Pflanze passt, und geh es von dort an.
Braune Flecken, die sich über das Laub ausbreiten
Atme kurz durch, denn braune Flecken bedeuten fast immer, dass die Wurzeln zu lange zu nass standen, und nicht, dass deine Pflanze dürstet. Ein kühler Luftzug, eine Heizung, die daneben bläst, oder Gießen, das zwischen nass und knochentrocken schwankt, können jeweils dazu beitragen. Fühl die Erde, schau nach den Wurzeln, stell den Topf an einen freundlicheren Ort und finde einen gleichmäßigen Gießrhythmus, bevor du weitergießt.
Lösung:
- Lass die Erde angemessen abtrocknen und stell sicher, dass der Topf frei abläuft.
- Rück die Pflanze weg von Zugluft, Heizungen und kalten Fenstern.
- Bau wieder einen gleichmäßigen Gießrhythmus auf; schneide faule Wurzeln ab, falls Wurzelfäule vorliegt.
Blätter, die loslassen und fallen
Wenn eine Geigenfeige Blätter verliert, reagiert sie schlicht auf eine Veränderung, die ihr nicht gefallen hat, und das lässt sich beheben. Ungleichmäßiges Gießen steht ganz oben auf der Liste der Gründe, doch auch ein kalter Luftzug, ein plötzlicher Kälteschock oder allein das Umstellen des Topfs in eine neue Ecke kann einen Blattfall auslösen. Wähl ihr ein gemütliches Zuhause und gieße nach festem Plan, dann siehst du, wie sie sich beruhigt.
Lösung:
- Gieße gleichmäßig.
- Stell die Pflanze nicht mehr um, sobald sie sich eingelebt hat.
- Schütze sie vor kalter Zugluft und heißer, trockener Heizungsluft.
Klebrigkeit, feine Gespinste oder winzige Insekten auf den Blättern
Drinnen gezogene Feigen ziehen manchmal kleine saftsaugende Insekten an, darunter Schildläuse, Blattläuse, Wollläuse, Thripse und Spinnmilben, und Letztere mögen staubige Blätter und trockene Räume besonders. Dreh die Blätter um und such nach Insekten, zartem Gespinst oder einem klebrigen Honigtaufilm. Nichts davon ist das Ende deiner Pflanze: Wisch und spül die Blätter ab, behandle mit Insektizidseife oder Pflanzenschutzöl und halte diese Feige von deinen anderen Pflanzen fern, bis sich alles beruhigt hat.
Lösung:
- Wisch die Blätter ab und spül das Laub.
- Behandle nach Anleitung mit Insektizidseife oder Pflanzenschutzöl.
- Stell die Pflanze abseits, bis der Befall unter Kontrolle ist.
Verblasste, sonnenverbrannte Stellen an den Blättern zum Fenster hin
Ausgewaschene, vertrocknete Stellen sind ein Zeichen für Blattverbrennung, also schlicht zu viel direkte Sonne auf dem Laub. Du erkennst es leicht: Der Schaden sitzt auf der dem Glas zugewandten Seite und sieht nach einer langen Ladung Nachmittagslicht am schlimmsten aus. Führ die Pflanze behutsam zu sanftem, hellem, indirektem Licht zurück oder schirm die schärfsten Strahlen ab, dann kommen die nächsten Blätter gesund nach.
Lösung:
- Stell sie an einen hellen, indirekten Platz.
- Schirm sie vor direkter Nachmittagssonne ab.
Große Blätter, die durch Staub matt und gräulich werden
Diese breiten Blätter sammeln leicht Staub, und eine dicke Schicht steht dem Licht im Weg, auf das deine Pflanze angewiesen ist, und bremst ihr Atmen. Der Hinweis ist ein flacher, gräulicher Schimmer dort, wo früher Glanz war. Wisch Ober und Unterseiten sanft mit einem feuchten Tuch ab, und der Glanz kommt gleich zurück.
Lösung:
- Wisch Ober und Unterseite der Blätter mit einem feuchten Tuch oder Küchenpapier ab.
Giftigkeit
Diese Pflanze hältst du am besten außer Reichweite neugieriger Haustiere. Jeder Teil enthält einen milchigen Saft mit dem Enzym Ficin, der Mund und Magen von Katzen, Hunden und anderen Tieren reizt und beim Kauen zu Sabbern und Erbrechen führt. Derselbe Saft kann auch die menschliche Haut brennen lassen, und kein Teil ist zum Essen gedacht. Trag also Handschuhe und gib ihr einen Platz fern von Tieren und kleinen Kindern.
Giftig für
Katzen · Hunde · Pferde · Kaninchen · Nutztiere · Vögel · Menschen
Katzen Giftig
Beißt eine Katze in ein Blatt, wird ihr Maul wund und gereizt, sie sabbert stark, und kurz darauf folgt meist Erbrechen. Wo der milchige Saft die Haut berührt, kann er eine rote, entzündete Stelle hinterlassen.
Hunde Giftig
Kaut ein Hund am Laub, achte auf gereiztes Maul und gereizten Magen, viel Sabbern und Erbrechen. Saft, der an Schnauze oder Pfoten bleibt, kann die Haut wund und entzündet machen.
Pferde Giftig
Derselbe ficinreiche Latex reizt Maul und Darm eines Pferdes und führt zu Sabbern und einem verstimmten Magen. Am sichersten stellst du diese Pflanze dorthin, wo ein Pferd nicht herankommt.
Kaninchen Giftig
Kein Teil dieser Feige ist etwas zum Knabbern für ein Kaninchen. Der reizende Saft macht Maul und Verdauung zu schaffen, also betrachte die ganze Pflanze als etwas, das von ihnen fernbleiben sollte.
Nutztiere Giftig
Ziegen, Schafe und ähnliche Weidetiere können vom Latex ein wundes Maul und einen verdorbenen Magen bekommen. Nichts an dieser Pflanze ist das wert, also halte sie außer ihrer Reichweite.
Vögel Giftig
Der scharfe Saft ist für Ziervögel nicht ungefährlich, und schon ein kleiner Bissen kann eine Reaktion auslösen. Halte sie gut fern von den Blättern und von frisch geschnittenen Trieben.
Menschen Vorsicht
Hier gibt es nichts Essbares, und der milchige Saft kann die Haut rot, juckend und wund machen. Zieh Handschuhe an, wann immer du schneidest oder geschnittene Triebe anfasst, und wasch dir danach die Hände.
Der milchige Saft (Latex) kann die Haut reizen; trag Handschuhe beim Schneiden oder beim Umgang mit geschnittenen Trieben.
Notrufnummern
Deutschland
Giftnotruf (Berlin): 030 19240
Österreich
Vergiftungsinformationszentrale: 01 406 43 43
Schweiz
Tox Info Suisse: 145
Sorten
Die meisten Geigenfeigen im Handel sind die schlichte Art, doch ab und zu begegnest du ein paar benannten Auslesen, meist kleiner oder panaschiert. Diese wenigen lohnen es, danach Ausschau zu halten.
Bambino
Diese Zwergform bleibt bei einem Bruchteil der Größe der Art und ist damit die freundliche Wahl, wenn du nur einen Tisch oder eine kleine Ecke hast.
Compacta
Sie erreicht etwa 1,5 m und wirkt mit kleineren, dichter beieinander stehenden Blättern wirkt sie voller und buschiger als die hohe, spillerige Art.
Little Sunshine
Eine kleine, panaschierte Auslese, die viele wegen ihrer handlichen Größe und der schön gemusterten Blätter lieben.
Variegata
Ihre Blätter sind grün und cremefarben gezeichnet, und weil sie selten im Handel ist, fühlt sich ein Fund wie ein glücklicher Zufall an.
Vermehrung
Ein schöner Gedanke: Aus der Pflanze, die du schon pflegst, kannst du eine ganz neue Geigenfeige ziehen, und ein Stecklingsschnitt ist der Weg dorthin. Mehr als etwas Geduld und ein Paar Handschuhe braucht es dafür kaum.
TriebstecklingeMittel
Frühjahr bis Sommer während des aktiven Wachstums · Wurzelt über mehrere Wochen unter warmen, feuchten Bedingungen
Mehr Geigenfeigen zu ziehen ist leichter, als du denkst, und ein Stecklingsschnitt ist der verlässliche Weg. Nimm ihn im Frühjahr oder Sommer, während frisches Wachstum kommt, halte ihn warm und feucht und gib ihm Zeit, denn die Wurzeln bilden sich über mehrere Wochen. Zieh die Handschuhe an, bevor du beginnst, denn der milchige Saft kann auf bloßer Haut brennen.
Mythen
Geigenfeigen sind als Zimmerpflanze fast unmöglich am Leben zu halten.
Die Schauergeschichten sind größer, als die Pflanze es verdient. Sie mag pflegeintensiv wirken, doch gleichmäßiges Licht, sanftes Gießen und ein fester Platz decken das meiste ab, was sie braucht. Gib ihr diese wenigen Dinge, und sie wächst zufrieden vor sich hin, ganz ohne Drama.
Braune Flecken auf den Blättern bedeuten immer, dass die Pflanze durstig ist.
Zur Gießkanne zu greifen ist hier meist ein Fehler. Braune Flecken kommen viel öfter von nassen Wurzeln und Fäule oder von kalter Zugluft und schwankenden Temperaturen als von einer trockenen Pflanze. Fühl die Erde und schau, wo sie steht, bevor du noch mehr Wasser gibst.