Zimmerpflanze · Cactaceae

Feigenkaktus

Opuntia ficus-indica

Biete ihm einen sonnigen Platz, schnellen Wasserablauf und nur gelegentlich etwas zu trinken, und dieser Kaktus belohnt deine Geduld, indem er bei fast völliger Vernachlässigung gedeiht.

Licht

Volle Sonne

Winterhärte

bis -12°C

Endgröße

1–⁠5 m

Haustierfreundlich
Feigenkaktus

Überblick

Wenn dich das Pflanzenpflegen bisher nervös gemacht hat, ist der Feigenkaktus ein nachsichtiger Einstieg. Er ist ein flach beblätterter Kaktus aus Amerika, der heute in warmen Gärten rund um die Welt wächst. Diese flachen grünen Triebe sind eigentlich seine Sprossen, und sie speichern so viel Wasser, dass die Pflanze lange Trockenzeiten ganz allein übersteht. Stell ihn an ein helles Fenster oder eine heiße, sonnige Ecke im Freien, und er kommt fast ohne dein Zutun zurecht.

Dieser Kaktus gibt auch in der Küche etwas zurück, ein schöner Bonus. Die zarten jungen Triebe werden als Nopales gekocht, und die reife rote Frucht genießt man als Kaktusfeigen, beide sind in der mexikanischen und südwestlichen Küche beliebt. Bevor im Spätsommer Früchte ansetzen, öffnet die Pflanze fröhliche, becherförmige Blüten in Gelb, Orange oder Pink.

Die eine Eigenart, die du ernst nehmen solltest, ist seine Verteidigung, ein wenig Vorsicht sorgt hier für Wohlbefinden bei allen. Neben den offensichtlichen großen Stacheln trägt jeder Trieb Glochiden, winzige Widerhakenborsten, die sich bei der leichtesten Berührung lösen und sich in die Haut setzen, wo sie sich hartnäckig halten. Gib ihm einen Platz abseits von Wegen und Haustieren und greife nur mit dicken Handschuhen und einer Zange danach, dann versteht ihr euch bestens.

Pflege

Kurz gesagt: volle Sonne, eine körnige, schnell ablaufende Mischung, und gieße erst, wenn die Erde vollständig ausgetrocknet ist. Nasse Wurzeln schaden ihm viel schneller als eine ausgelassene Gießrunde, deshalb ist etwas zu trocken die sichere, freundliche Wahl.

Licht

Stell den Feigenkaktus in volle Sonne, den hellsten Platz, den du bieten kannst, und er dankt es dir. Etwas weniger Licht übersteht er, doch zu wenig lässt die Triebe dünn und blass werden, und die ganze Pflanze wird schief und schlaff.

Gießen

Beim Gießen gehen gute Absichten am ehesten schief, sei hier also vorsichtig. Gieße gründlich, aber erst, wenn die Erde völlig ausgetrocknet ist, und reduziere in den kühlen Monaten, wenn das Wachstum pausiert, deutlich. Da er so leicht fault, ist es immer die sicherere Wahl, ein paar Tage länger zu warten.

Boden

Gib ihm eine körnige, gut durchlässige Sand- oder Kakteenmischung, die nie nass bleibt. Ein pH-Wert von 6,0 bis 7,5 hält ihn zufrieden, wobei der Wasserablauf eigentlich weit wichtiger ist als die genaue Zahl.

Temperatur

Dieser Kaktus verträgt ein breites Temperaturspektrum, etwa -5 °C bis 40 °C, mehr Kälte als die meisten Kakteen aushalten. Trotzdem kann ein starker Frost die Triebe schädigen, schütze ihn also, wenn strenger Frost droht.

Luftfeuchtigkeit

Trockene Luft passt ihm perfekt, die niedrige Luftfeuchtigkeit eines beheizten Raums macht ihm nichts aus. Worauf du achten solltest, ist feuchte, stehende Luft, denn genau die lädt Fäulnis und Schädlinge ein, die dieser robusten Pflanze sonst nichts anhaben.

Düngen

Dünge nur im Frühjahr und Sommer, während er aktiv wächst, und dosiere sparsam. Ein verdünnter, stickstoffarmer Kakteendünger hin und wieder reicht völlig aus, denn zu viel Stickstoff lässt weiche, schwache Triebe entstehen.

Schneiden

Schneide beschädigte oder zu dicht stehende Triebe mit einem sauberen Messer ab, damit die Pflanze luftig und gesund bleibt. Zieh dabei immer dicke Lederhandschuhe an und benutze eine Zange, denn Stacheln und lose Glochiden machen bloßhändige Arbeit zu einer schmerzhaften Lektion.

Umtopfen

Hier musst du dich nicht beeilen: Topf ihn nur alle 2 bis 4 Jahre um, oder sobald er stark wurzelgebunden ist und anfängt zu kippen. Setze ihn in trockene Erde und warte ein paar Tage mit dem Gießen, damit verletzte Wurzeln heilen können.

Größe & Abstand

Mit der Zeit kann eine ausgewachsene Pflanze 1 bis 5 m hoch werden und 1 bis 3 m in die Breite gehen. Gib ihr genug Platz zum Wachsen und halte die Stacheln weit weg von Stellen, an denen Menschen laufen.

Probleme lösen

Nur Mut, denn fast jedes Problem beim Feigenkaktus geht auf das Gießen zurück, der Rest entfällt auf ein paar Schädlinge. Die Triebe sprechen eine klare Sprache: Sie werden weich, runzlig oder bekommen flauschige Flecken, wenn etwas nicht stimmt. Finde unten das Bild, das zu deiner Pflanze passt, und greife sanft ein, bevor sich Fäulnis ausbreiten kann.

Schwerwiegend

Weiche, matschige Triebe, die sich an der Basis verfärben

Wenn die Basis weich wird und die Triebe matschig, gelb oder schwarz werden, hast du es mit Wurzel- und Stängelfäule zu tun, fast immer eine Folge von zu viel Wasser oder einem Topf, der Feuchtigkeit staut. Keine Panik: Stell die Gießkanne weg, hol die Pflanze vorsichtig aus dem Topf und schneide jedes weiche, verfärbte Stück mit einer sauberen Klinge weg. Lass die Schnittstellen trocknen und verschließen, und setze die festen, gesunden Triebe dann in trockene, körnige Erde, damit sie neu starten können.

Lösung:

  • Sofort mit dem Gießen aufhören
  • Aus dem Topf nehmen und alles weiche, verfaulte Gewebe mit einer sauberen Klinge wegschneiden
  • Schnittstellen verschließen lassen, dann gesunde Triebe in trockene, körnige Erde umtopfen
Rückschlag

Runzlige, geschrumpfte Triebe, die ihre Festigkeit verloren haben

Triebe, die dünn, runzlig und schrumpelig werden, haben meist einfach Durst, sei es durch zu wenig Wasser oder durch Wurzeln, die eine lange Trockenzeit mitgenommen hat. Eine gute, gründliche Wassergabe lässt sie oft schon innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder aufleben, ein beruhigender Anblick. Lass die Erde danach vollständig austrocknen, bevor du erneut gießt, und prüfe vorsichtig, ob die Wurzeln darunter fest sind und nicht weich und verfault.

Lösung:

  • Einmal gründlich gießen
  • Die Erde vollständig austrocknen lassen, bevor erneut gegossen wird
  • Prüfen, ob die Wurzeln intakt und nicht verfault sind
Rückschlag

Weiße, watteartige Büschel, die beim Drücken rot verschmieren

Diese weichen weißen Flecken sind die Cochenilleschildlaus, ein kleines Insekt unter einer wachsartigen Hülle, das beim Zerdrücken einen leuchtend roten Farbstoff freisetzt. Nur Mut, mit etwas Geduld verschwindet sie: Spüle die Kolonien mit einem kräftigen Wasserstrahl ab und behandle die Triebe anschließend mit insektizider Seife oder Gartenbauöl. Wiederhole die Behandlung etwa wöchentlich, bis die Triebe dauerhaft sauber bleiben.

Lösung:

  • Kolonien mit einem kräftigen Wasserstrahl abspritzen
  • Mit insektizider Seife oder Gartenbauöl behandeln
  • Behandlung wiederholen, bis der Befall verschwunden ist

Giftigkeit

Der Feigenkaktus enthält nichts Giftiges, in dieser Hinsicht kannst du also beruhigt sein. Seine Triebe und Früchte sind für Menschen alltägliche Lebensmittel und verursachen keine Vergiftung, wenn ein Haustier oder Kind einmal daran knabbert. Die eigentliche Gefahr ist körperlicher, nicht chemischer Natur: Stacheln und widerhakige Glochiden können Mund, Pfote oder Auge verletzen, halte Kleinkinder und Tiere also auf angenehmem Abstand und fasse die Pflanze nur behutsam an.

Ungiftig für

Menschen · Katzen · Hunde · Pferde · Kaninchen · Nutztiere · Vögel

Katzen Ungiftig

Eine Katze läuft bei dieser Pflanze keine Vergiftungsgefahr, das Fruchtfleisch ist völlig harmlos zu schlucken. Die eigentliche Sorge ist körperlich: Tatzt eine Katze nach einem Trieb, kann sie sich Stacheln oder feine Glochiden in Pfote, Lippe oder Zunge einfangen.

Hunde Ungiftig

Ein Hund kann ein Stück beknabbern oder sogar schlucken, ohne chemischen Schaden zu nehmen. Echte Schmerzen verursachen dagegen die Stacheln und Widerhakenborsten, die sich in Maul und Zahnfleisch verhaken und sich nur mühsam wieder herausziehen lassen.

Pferde Ungiftig

Pferde knabbern am Feigenkaktus ohne jedes Anzeichen einer Vergiftung, und abgeflammte Triebe werden im Trockenland sogar als Viehfutter verwendet. Der Haken sind die rohen Stacheln und Glochiden, die sich fest in Lippen und Maul festsetzen.

Kaninchen Ungiftig

Die Triebe sind für ein Kaninchen gefahrlos zum Knabbern und enthalten überhaupt kein Gift. Entferne vorher jeden Stachel und jede Glochide, denn das weiche Maul eines Kaninchens hat keinerlei Schutz gegen die Widerhaken.

Nutztiere Ungiftig

Rinder, Ziegen und Schafe nehmen den Feigenkaktus gerne an, und Viehzüchter brennen die Stacheln ab, um daraus sicheres Winterfutter zu machen. Unbehandelt verletzen Stacheln und Glochiden Maul und Verdauungstrakt.

Vögel Ungiftig

Vögel schlemmen die reife Frucht und verbreiten die Samen, ganz ohne Vergiftungsgefahr. Nur Stacheln und Glochiden bergen ein Risiko, weshalb sie sich an das weiche, reife Fruchtfleisch halten.

Menschen Ungiftig

Sowohl die Triebe, als Nopales verkauft, als auch die Frucht, die Kaktusfeige, sind gängige Lebensmittel, die vollkommen unbedenklich zu essen sind. Der einzige Haken ist die Handhabung: Bürste oder brenne die Stacheln und Glochiden ab, bevor sie mit Haut oder Mund in Berührung kommen.

Die eigentliche Gefahr ist körperlicher, nicht chemischer Natur: Neben großen Stacheln trägt der Feigenkaktus Glochiden, winzige Widerhakenborsten, die sich leicht lösen und schmerzhaft in Haut, Augen und Mund festsetzen, wo sie sich nur sehr schwer entfernen lassen. Immer mit dicken Handschuhen und einer Zange anfassen.

Sorten

Opuntia ist eine große Gattung, doch nur eine Handvoll Formen findet man in den meisten Häusern und Gärten. Hier sind die, denen du am ehesten begegnest.

Opuntia ficus-indica (dornenlose Formen)

Diese fast stachellosen Sorten werden im großen Stil für Nopal-Triebe und Kaktusfeigen angebaut, doch selbst die glatt wirkenden Typen tragen noch Glochiden, die du vorher abbürsten solltest.

Opuntia microdasys (Hasenohren)

Eine kleine, sehr beliebte Zimmerpflanze, deren weich wirkende Triebe dicht mit weißen oder gelben Glochiden-Büscheln besetzt sind, was sie deutlich stacheliger macht, als sie zunächst aussieht.

Opuntia stricta

Ein aufrecht wachsender Kaktus, vor allem bekannt als aggressives invasives Unkraut in Teilen Australiens und Afrikas.

Vermehrung

Kaum eine Pflanze lässt sich so leicht vermehren wie der Feigenkaktus, ein einziger gesunder Trieb reicht meist schon völlig aus.

TriebstecklingeEinfach

Frühjahr bis Sommer · 4 bis 8 Wochen bis zur Bewurzelung

Einen Trieb zu bewurzeln ist der einfache, dankbare Weg, und Frühjahr bis Sommer ist dafür die richtige Zeit. Drehe einen gesunden Trieb ab, lass die Schnittstelle einige Tage trocknen und verschließen, und stell ihn dann aufrecht in trockene, körnige Erde, wo er in 4 bis 8 Wochen Wurzeln schlägt. Behalte dabei durchgehend die dicken Handschuhe an, denn die Glochiden sind immer bereit.

AussaatMittel

Frühjahr · Mehrere Monate bis ein Jahr

Die Aussaat im Frühjahr ist der langsamere Weg, der mehr Geduld verlangt. Die Samen keimen ungleichmäßig, und eine junge Pflanze kann mehrere Monate bis ein Jahr brauchen, um richtig Fuß zu fassen, weshalb die meisten Hobbygärtner lieber einen Trieb bewurzeln.

Mythen

Mythos

Ein so stacheliger Kaktus muss doch giftig sein.

Realität

Von wegen, der Feigenkaktus wird weltweit jeden Tag gerne gegessen. Seine Triebe kommen als Nopales und seine Frucht als Kaktusfeigen auf den Tisch, beides feste Bestandteile vieler Küchen. Die einzige echte Gefahr sind die Stacheln und Glochiden, niemals ein Gift, das sich in der Pflanze verbirgt.

Mythos

Ein Trieb ohne große Stacheln kann man gefahrlos mit bloßen Händen anfassen.

Realität

Die großen Stacheln sind leicht zu erkennen, doch sie sind nicht das, was einem wirklich zusetzt. Selbst ein glatt wirkender Trieb ist übersät mit Glochiden, winzigen Widerhakenborsten, die sich schon bei der leichtesten Berührung lösen und sich in die Haut setzen. Fasse den Feigenkaktus immer mit dicken Handschuhen und einer Zange an, egal ob du Stacheln siehst oder nicht.

Quellen