Zimmerpflanze · Euphorbiaceae

Bleistiftkaktus

Euphorbia tirucalli

Genügsam, sonnenhungrig und kaum kleinzukriegen, auch wenn sein Milchsaft zurückbeißt, weshalb ein wenig Vorsicht viel bewirkt.

Licht

Volle Sonne

Gießen

Alle 14–⁠28 Tage

Wärme

10–⁠30°C

Winterhärte

bis -1°C

Giftig für Katzen, Hunde, Pferde und mehr
Bleistiftkaktus

Überblick

Atme durch, denn der Bleistiftkaktus ist eine der nachsichtigeren Pflanzen, die du dir nach Hause holen kannst, auch wenn er streng genommen gar kein Kaktus ist. Er ist eine sukkulente Wolfsmilchpflanze aus Ost- und Südafrika und wächst als weiches Gewirr schlanker, bleistiftdicker grüner Stängel, fast ohne ein Blatt in Sicht. Drinnen wird er zu einem hübschen architektonischen Blickfang, und sobald du Licht und Wasser richtig eingestellt hast, verlangt er nur wenig von dir.

Das eine, was du dir gut merken solltest, ist der ätzende Milchsaft, der in jedem Stängel steckt. Brichst oder schneidest du einen ab, tritt ein weißer Saft aus, reich an Diterpenestern, der auf der Haut brennt und den Augen wirklich schaden kann. Diese eine Tatsache soll dir keine Angst machen, sondern dir nur helfen, den richtigen Standort zu wählen und im Umgang vorsichtig zu sein, wenn es darauf ankommt.

Gut gepflegt verzeiht er dir den ein oder anderen Ausrutscher und wächst im Laufe der Jahre auf 90 cm bis 3 m Höhe heran. Biete ihm starkes Licht, ein grobkörniges Substrat mit schnellem Abfluss und ordentliche trockene Phasen zwischen den Wassergaben, und das Meiste, was er von dir verlangt, ist Geduld mit einem gelegentlich verfaulten Stängel nach einer zu großzügigen Gießkanne.

Pflege

Kurz gesagt: Gib ihm volle Sonne oder dein hellstes Fenster, pflanze ihn in ein grobkörniges, schnell durchlässiges Substrat und gieße erst gründlich, wenn die Erde völlig trocken ist. Reduziere die Wassergaben im Winter, und halte Handschuhe und Augenschutz griffbereit, sobald du ihn anfasst. Du schaffst das.

Licht

Stelle ihn in volle Sonne an ein Südfenster oder an den hellsten indirekten Standort, den du bieten kannst. Mehr Sonne hält die Stängel kräftig und stämmig, während eine dunkle Ecke sie dünn und langgezogen werden lässt, wähle also den hellsten Platz, den du hast.

Gießen

Lass das Substrat vollständig austrocknen, bevor du gründlich gießt, was meist ungefähr alle 14 bis 28 Tage bedeutet. Im Winter reduzierst du das noch weiter. Stehende Nässe ist das Einzige, was dieser Pflanze zuverlässig schadet, denn sie lässt Stängel und Wurzeln rasch faulen, im Zweifel also lieber warten.

Boden

Gib ihm ein grobkörniges, schnell durchlässiges Kakteen- oder Sukkulentensubstrat, damit Wasser rasch durchläuft und sich nie um die Wurzeln staut. Ein pH-Wert irgendwo zwischen 6,0 und 7,5 passt ihm gut, und ein Topf mit Abzugsloch ist wirklich ein Muss.

Temperatur

Er fühlt sich zwischen 10°C und 30°C rundum wohl und verträgt keinen Frost. Halte ihn während der kalten Monate über 10°C, denn kühle Luft in Kombination mit feuchtem Boden ist es, was ihn zur Fäule treibt.

Luftfeuchtigkeit

Ganz normale, niedrige Raumluftfeuchtigkeit ist genau das, was er mag, es gibt also keine Zahl, um die du dich kümmern musst, und kein Besprühen, an das du denken müsstest. Trockene Luft spielt dir hier sogar in die Hände und hält Stängelfäule fern.

Düngen

Dünge ihn monatlich im Frühling und Sommer mit einem verdünnten, ausgewogenen oder stickstoffarmen Kakteendünger. Stelle das Düngen im Herbst und Winter komplett ein, wenn das Wachstum nachlässt, und lass es auch bei einer gestressten oder frisch umgetopften Pflanze aus.

Schneiden

Schneide nur, um Größe oder Form im Zaum zu halten, und niemals ohne Handschuhe und Augenschutz, denn geschnittene Stängel sondern ätzenden Milchsaft ab, der auf der Haut brennt und den Augen schaden kann. Schneide in eine Tüte hinein, halte die Pflanze von deinem Gesicht fern und wasche Werkzeug und Hände direkt danach.

Umtopfen

Setze ihn alle 2 bis 3 Jahre in einen größeren Topf um, oder sobald die Wurzeln den Topf umkreisen und die Abzugslöcher verstopfen. Eine Pflanze, die kopflastig geworden ist und leicht umkippt, ist ein weiterer sanfter Hinweis, dass es Zeit ist. Trage Handschuhe und Augenschutz, denn beim Umtopfen wird fast immer ein Stängel angeritzt und der Saft beginnt zu fließen.

Größe & Abstand

Drinnen wächst er im Laufe der Zeit auf 90 cm bis 3 m Höhe heran und breitet sich auf 60 bis 180 cm Breite aus. Gib ihm Platz zum Lehnen und Wachsen, und stelle ein hohes Exemplar in einen schweren Topf, damit es fest auf den Füßen steht.

Probleme lösen

Diese Pflanze ist wirklich schwer kleinzukriegen, wenn also etwas nicht stimmt, liegt es fast immer an zu viel Wasser oder zu wenig Licht. Die Stängel verraten es zuerst. Finde dein Symptom weiter unten und greife früh ein, bevor sich eine weiche Stelle ausbreiten kann.

Schwerwiegend

Weiche Stängel geben dort nach, wo sie auf den Boden treffen

Was du hier siehst, ist Fäule, und sie lässt sich fast immer auf Wasser zurückführen, das in einem zu langsam durchlässigen Substrat steht. Ein kalter, feuchter Standort beschleunigt das nur noch. Nur Mut, denn du kannst die Pflanze retten: Handschuhe und Augenschutz anziehen, bis ins feste, grüne Gewebe zurückschneiden, die gesunden Stücke abtrocknen lassen und in trockenes, grobkörniges Substrat setzen.

Lösung:

  • Mit Handschuhen und Augenschutz alles weiche, verfärbte Gewebe bis ins feste, grüne Gewebe zurückschneiden
  • Gesunde Stecklinge abtrocknen lassen und dann in trockenes, grobkörniges Substrat pflanzen
  • Wassergaben zurückhalten, bis die Pflanze sichtbar angewachsen und das Substrat trocken ist
Kosmetisch

Blasse, schlanke Stängel neigen sich zum Licht

Das ist einfach Vergeilung, die freundliche Bezeichnung dafür, dass eine Pflanze sich nach Licht streckt, das sie nicht ganz erreicht. Der frische Austrieb kommt dünn und neigt sich zum hellsten Teil des Raums, und das ist kein Grund zur Sorge. Stelle sie an einen Ort mit ein paar Stunden direkter Sonne und steigere das Licht Schritt für Schritt, damit die Stängel Zeit zur Anpassung haben.

Lösung:

  • An einen helleren Standort mit mehreren Stunden direkter Sonne stellen
  • Schrittweise an stärkeres Licht gewöhnen, um Verbrennungen zu vermeiden

Giftigkeit

Betrachte diese Pflanze eher als eine, die Respekt verdient, als eine, vor der man Angst haben muss. Jeder Stängel enthält einen ätzenden Milchsaft, der auf der Haut einen Ausschlag verursacht und in den Augen brennende Schmerzen, Schwellungen und sogar vorübergehende Blindheit auslösen kann. Kein Teil ist essbar, und der Saft ist giftig für Katzen und Hunde sowie reizend für jedes andere Tier, also sorgt etwas Abstand zu Haustieren, Kindern und deinen eigenen bloßen Händen dafür, dass alle sicher und wohlauf bleiben.

Giftig für

Katzen · Hunde · Pferde · Kaninchen · Nutztiere · Vögel · Menschen

Katzen Giftig

Beißt eine Katze in einen Stängel, ist mit Sabbern, Pfoten am Maul und manchmal Erbrechen zu rechnen, sobald der brennende Milchsaft wirkt. Saft, der ins Fell gerät, hinterlässt gerötete, wunde Haut, und ein Streifen nahe den Augen kann schmerzhafte Schwellungen auslösen, weshalb sanfte Vorbeugung am wichtigsten ist.

Hunde Giftig

Ein neugieriges Kauen löst Sabbern, Schmerzen im Maul und einen flauen Magen aus. Der Milchsaft lässt Zahnfleisch und Lippen Blasen werfen, und alles, was in die Augen gerät, brennt so stark, dass ein Tierarztbesuch nicht warten sollte.

Pferde Giftig

Knabbert ein Pferd an den Stängeln, entzündet der ätzende Saft Maul und Magen-Darm-Trakt, und schon einfacher Kontakt hinterlässt wunde, gereizte Nüstern und Lippen. Die Pflanze aus der Koppel herauszuhalten, erspart allen den Ärger.

Kaninchen Giftig

Schon ein kleiner Bissen genügt, um das Maul eines Kaninchens und seinen Verdauungstrakt zu reizen. Stelle die Pflanze gut außer Reichweite, denn diese Nager testen alles Neue gerne mit den Zähnen.

Nutztiere Giftig

Ziegen, Schafe und Rinder, die an den Stängeln knabbern, bekommen durch den Milchsaft ein brennendes Maul und einen verstimmten Magen. Ein einfacher Zaun um die Pflanze hält umherstreifende Tiere sicher fern.

Vögel Giftig

Der ätzende Saft setzt Vögeln stark zu und reizt Schnabel, Mund und Kropf. Ein Vogel, der an einem Stängel pickt, kann sich Milchsaft auch auf Federn und Augen schmieren, weshalb ein Standort außer Reichweite die rücksichtsvollste Wahl ist.

Menschen Vorsicht

Kein Teil dieser Pflanze ist zum Essen geeignet, und der Milchsaft ist die eigentliche Gefahr. Er verwandelt Haut in einen brennenden Ausschlag und bringt in den Augen starke Schmerzen, Schwellungen und sogar vorübergehende Blindheit, weshalb Handschuhe und Augenschutz zu deiner festen Gewohnheit werden sollten.

Trage beim Anfassen, Schneiden oder Umtopfen immer Handschuhe UND Augenschutz. Fasse dir niemals ins Gesicht und reibe dir nicht die Augen. Gerät Saft auf die Haut, gründlich abwaschen; gerät er in die Augen, sofort mit reichlich Wasser spülen und umgehend ärztliche oder tierärztliche Hilfe suchen.

Notrufnummern

Deutschland

Giftnotruf (Berlin): 030 19240

Österreich

Vergiftungsinformationszentrale: 01 406 43 43

Schweiz

Tox Info Suisse: 145

Sorten

Die reine Art bleibt komplett grün, doch eine warm gefärbte Sorte findet sich weit häufiger in den Regalen der Gartencenter.

'Firesticks' / 'Sticks on Fire' (Euphorbia tirucalli 'Rosea')

Ihre jungen Stängel leuchten in warmen Tönen von Koralle, Orange und Rot statt in gewöhnlichem Grün, und diese Farbe wird intensiver, je kühler das Wetter und je kräftiger die Sonne wird.

Vermehrung

Der Bleistiftkaktus bewurzelt so bereitwillig aus seinen eigenen Stängeln, dass aus einer einzigen Pflanze schon bald ein ganzes Regal wird. Die einzige echte Hürde ist der ätzende Saft, weshalb vorsichtiges Arbeiten mit Handschuhen schon die halbe Miete ist.

TriebstecklingeEinfach

Später Frühling bis Sommer, während des aktiven Wachstums · 3 bis 6 Wochen bis zur Bewurzelung

Gute Nachricht für Einsteiger: Diese Pflanze bewurzelt so bereitwillig, dass aus einer bald mehrere werden. Nimm deine Stecklinge im späten Frühling oder Sommer, während sie wächst, und ziehe zuerst Handschuhe und Augenschutz an, denn die Schnittstellen sondern ätzenden Milchsaft ab. Spüle den Saft von der Wunde, lass den Steckling ein paar Tage abtrocknen und stelle ihn dann in trockenes, grobkörniges Substrat, wo er in 3 bis 6 Wochen Wurzeln bildet.

Mythen

Mythos

Der Bleistiftkaktus ist ein echter Kaktus.

Realität

Der Name ist etwas irreführend, denn das hier ist überhaupt kein Kaktus. Euphorbia tirucalli ist eine sukkulente Wolfsmilchpflanze mit bleistiftdünnen Stängeln, und der Verräter ist der ätzende Milchsaft, den sie absondert, etwas, das echte Kakteen niemals tun. Die Kaktus-Optik geht nur bis unter die Haut.

Quellen