Dein Gummibaum als Zimmerpflanze gehört nicht mehr zu den Gummibäumen, die zur Gummiherstellung genutzt werden. Ficus elastica hat diesen Job vor über 100 Jahren verloren. Heute lebt er stattdessen als eine der beliebtesten Zimmerpflanzen der Welt.
Ich habe dieses Fun Fact zum ersten Mal an einem faulen Sonntag in einem Pflanzenpflegebuch entdeckt. Der Gummibaum auf meinem Schreibtisch hatte nichts mit den Reifen an meinem Auto zu tun. Es fühlte sich an, als würde man erfahren, dass Erdnüsse keine Nüsse sind. Die meisten Gummibaumbesitzer haben keine Ahnung, dass ihre Pflanze einmal eine große Rolle in einer globalen Industrie spielte. Die Gummiproduktion mit Ficus elastica erreichte ihren Höhepunkt im späten 19. Jahrhundert. Arbeiter ritzten die Rinde an und sammelten den milchigen Saft, der dann zu verwertbarem Gummimaterial verarbeitet wurde.
Die Geschichte, wie diese Pflanze ihren Job verlor, ist verrückt. Im Jahr 1875 nahm ein britischer Entdecker namens Henry Wickham etwa 70.000 Hevea-Samen aus dem Amazonasgebiet mit. Er verschiffte sie in die Kew Gardens in London. Wissenschaftler zogen dort die Setzlinge und schickten sie dann in britische Kolonien in Südostasien. Dort wurden sie auf riesigen Gummiplantagen angepflanzt. Innerhalb weniger Jahrzehnte übernahm Hevea den Gummimarkt. Ficus elastica konnte überhaupt nicht mithalten.
Der Grund für den Wechsel liegt in Saftqualität und -menge. Hevea-Bäume produzieren Latex mit einem höheren Anteil des Schlüsselpolymers, das Gummi seine Elastizität verleiht. Man kann einen einzelnen Hevea-Baum alle paar Tage über 25 bis 30 Jahre hinweg anzapfen. Ficus elastica liefert weit weniger Saft pro Baum. Die Gummiqualität ist zudem schlechter für die Herstellung von Dingen wie Reifen und Handschuhen. Aus dem Saft deiner Zimmerpflanze lässt sich kein brauchbares Produkt herstellen.
Naturkautschuk von Hevea brasiliensis macht heute etwa 99 % des gesamten Baumgummis aus. Plantagen findest du in ganz Thailand und Indonesien. Dort werden jährlich Millionen Tonnen produziert. Dieser Gummi steckt in deinen Reifen, medizinischen Handschuhen und Hunderten anderer Alltagsprodukte. Dein Ficus elastica trägt heute null dazu bei. Er ist seit über einem Jahrhundert aus dem Gummigeschäft raus.
Warum trägt deine Zimmerpflanze dann immer noch den Namen Gummibaum? Der Name war schon vor dem Wechsel im allgemeinen Sprachgebrauch verankert. Gartengeschäfte, Pflanzenbücher und alltägliche Gespräche verwendeten ihn einfach weiter. Niemand nennt ihn den „pensionierten Gummibaum", auch wenn das ehrlicher wäre. Ich habe das getestet und zehn Leute in meiner Gärtnerei gefragt, wofür Gummibäume ihrer Meinung nach da sind. Jeder einzelne sagte Gummi. So stark hat sich der Name eingeprägt.
Meiner Erfahrung nach schätzt man seinen Gummibaum mehr, sobald man seine Geschichte kennt. Ich habe das bei einem Abendessen ausprobiert und die Geschichte erzählt. Meine Freunde waren schockiert, dass ihre Lieblingszimmerpflanze so eine wilde Vergangenheit hat. Es gab ihnen einen ganz neuen Blick auf die Pflanze in ihrer Wohnzimmerecke.
Dein Ficus elastica sondert immer noch diesen klebrigen weißen Saft ab, wenn du einen Stängel oder ein Blatt abschneidest. Innerhalb von Sekunden nach dem Schnitt kannst du ihn tropfen sehen. Aber dieser Saft ist heute nur noch ein kleines Ärgernis, das deine Kleidung verfärbt und deine Haut reizt. Seine Zeit als Gummiquelle ist längst vorbei. Deine Pflanze hat sich ihren Platz in deinem Zuhause durch glänzende Blätter und pflegeleichte Art verdient, nicht durch irgendeinen Industriewert. Diese zweite Karriere erwies sich als die bessere – für dich und für die Pflanze.
Vollständigen Artikel lesen: Gummibaum Pflege und Wachstumsratgeber