Zierpflanze · Apocynaceae

Seidenpflanze

Asclepias syriaca

Zieh sie für die Monarchfalter, gib ihr Sonne und mageren Boden, und eine heimische Seidenpflanze sorgt zufrieden für sich selbst.

Licht

Volle Sonne

Gießen

Alle 7–⁠14 Tage

Winterhärte

bis -40°C

Endgröße

0,6–⁠1,5 m

Giftig für Katzen, Hunde, Pferde und mehr
Seidenpflanze

Überblick

Die Seidenpflanze ist die eine Pflanze, auf die ein Monarchfalter wirklich nicht verzichten kann, und das macht sie zu einer Freude im Garten. Ihre Raupen fressen nichts anderes, und die herzwirksamen Glykoside, die sie aus den Blättern ziehen, lassen sie für Vögel furchtbar schmecken, genau deshalb sind so viele Gärtner von ihr begeistert. Den ganzen Sommer über locken die Dolden aus rosa bis malvenfarbenen Blüten Bienen und andere Bestäuber immer wieder zurück.

Der gemeinsame Name umfasst mehrere heimische Arten, und die beiden, denen du am ehesten begegnest, sind sehr unterschiedliche Nachbarn, mach dir also keine Sorgen, sie auseinanderzuhalten. Die Gewöhnliche Seidenpflanze (A. syriaca) wandert unterirdisch über Rhizome und bildet weite Kolonien, was in einer Wiese wunderbar ist und in einem kleinen Beet etwas viel. Die Sumpf-Seidenpflanze (A. incarnata) bleibt ein ordentlicher Horst und mag feuchteren Boden, sie fügt sich also in ein Beet ein, ohne je Überhand zu nehmen.

Das sind robuste, nachsichtige Stauden, die kaum etwas verlangen, sobald sie sich eingelebt haben, ein erster Versuch dürfte also kaum danebengehen. Das Einzige, worauf du achten solltest, ist der milchige Saft, der genau die Giftstoffe trägt, die die Monarchfalter schützen, und der Haut und Augen reizen kann, trag also deine Handschuhe und halte Weidetiere gut auf Abstand.

Pflege

Kurz gesagt: volle Sonne und gewöhnlicher, gut durchlässiger Boden sind so ziemlich alles, was die Seidenpflanze verlangt, und sobald sie sich eingelebt hat, braucht sie kaum zusätzliches Wasser oder Dünger. Passe die Art an deinen Standort an, gib ihr Platz zum Ausbreiten, und handhabe den Saft mit Handschuhen, dann machst du alles richtig.

Licht

Die Seidenpflanze liebt volle Sonne und blüht am besten bei ganztägigem Licht, wähle also deinen sonnigsten Platz. Sie kommt zur Not auch mit etwas Halbschatten zurecht, doch die Pflanzen werden langbeiniger und blühen weniger, wenn das Licht knapp wird.

Gießen

Einmal eingelebt, ist die Gewöhnliche Seidenpflanze wirklich trockenheitstolerant und kommt in trockenem bis mittelfeuchtem Boden allein mit Regen aus, du kannst also entspannt bleiben. Gieße Neupflanzungen, bis die Wurzeln Halt gefasst haben, und lass danach gleich locker. Die Sumpf-Seidenpflanze ist die eine Ausnahme, denn sie mag gleichmäßig feuchten bis nassen Boden.

Boden

Fast jeder gut durchlässige Ton-, Lehm- oder Sandboden macht die Seidenpflanze glücklich, und die Gewöhnliche Seidenpflanze gedeiht sogar auf den kargen, trockenen Standorten, an denen anspruchsvollere Pflanzen scheitern. Die Sumpf-Seidenpflanze ist die eine, die feuchten oder nassen Boden bevorzugt, wähle also die Art passend zum Standort und lass die Pflanze den Rest erledigen.

Temperatur

Das sind wunderbar winterharte Stauden, die Wintern bis -40°C die Schulter zeigen und sommerlicher Hitze bis rund 30°C locker standhalten. Genau diese weite Spanne lässt die Seidenpflanze sich in so großen Teilen des Landes zu Hause fühlen.

Luftfeuchtigkeit

Die Außenluftfeuchtigkeit ist bei der Seidenpflanze kein Thema, es gibt also keinen Zielwert zu verfolgen. Die Pflanzen nehmen einfach, was die örtliche Luft ihnen bietet, und wachsen munter weiter.

Düngen

Du kannst den Dünger getrost weglassen. Diese heimischen Arten sind für mageren Boden gemacht, und Düngen bringt nichts, während es weiches, schlaffes Wachstum fördern kann, lass sie also in Ruhe und lass sie gedeihen.

Schneiden

Schneide die verblühten Stiele im Spätherbst oder zeitigen Frühjahr bodennah ab, um den Horst ordentlich zu halten, eine nachsichtige Aufgabe. Möchtest du die Selbstaussaat bremsen, entferne die Samenschoten, bevor sie aufplatzen und ihre Samen verstreuen. Trag dabei unbedingt Handschuhe, denn der Saft ist ein Reizstoff.

Größe & Abstand

Die Pflanzen erreichen 60 bis 150 cm Höhe und breiten sich je nach Art zwischen 23 und 91 cm aus, plane also ein wenig voraus. Gib der wandernden Gewöhnlichen Seidenpflanze reichlich Platz, und setze die horstbildenden Arten enger, wo du einen ordentlichen, geschlossenen Bestand möchtest.

Wann pflanzen

Die Seidenpflanze folgt dem Jahreslauf und braucht eine kalte Ruhephase, um ihre Samen zu wecken, ein bisschen Geduld zahlt sich hier also aus. Säe im Herbst draußen und lass den Winter die Kältebehandlung übernehmen, oder stratifiziere die Samen im Kühlschrank und ziehe sie im Spätwinter drinnen vor. Achte dann ab dem Frühsommer auf Blüten, meist erst im zweiten Jahr der Pflanze.

Säen Okt–Dez
Pflanzen Mai
Blüte Jun–Sep

Typische Monate für ein gemäßigtes Klima: In warmen Zonen früher beginnen, in Regionen mit späten Frühjahrsfrösten später.

  • Aussaat: 6 bis 8 Wochen vor dem letzten Frost drinnen aussäen, nach 30 Tagen kalt-feuchter Stratifizierung im Kühlschrank
  • Pflanzung: Nach dem letzten Frost auspflanzen; im Herbst oder frühen Winter direkt aussäen, damit die natürliche Kaltstratifizierung über den Winter stattfindet
  • Ernte: Blüht Juni bis August (Gewöhnliche Seidenpflanze); die Sumpf-Seidenpflanze Juli bis September

Winterhärte

Temperatur: bis -40°C

Probleme lösen

Die meisten Sorgen bei der Seidenpflanze drehen sich darum, wohin sie sich ausbreitet und wer zum Fressen vorbeikommt, nicht um Krankheiten, entspann dich also ein wenig. Viele der Insekten, die du findest, gehören ganz bewusst dorthin, nimm dir also einen Moment Zeit zum Bestimmen, bevor du handelst. Finde unten, was du siehst, und denke daran, dass allein der Saft ein wenig Vorsicht verdient.

Rückschlag

Frische Triebe, die weit außerhalb des gepflanzten Horsts auftauchen

Sei unbesorgt, denn das ist einfach die Gewöhnliche Seidenpflanze (A. syriaca), die sich ganz normal verhält, unterirdisch über flache Rhizome kriecht und Samen aus aufplatzenden Schoten streut. Du kannst die verirrten Triebe behutsam ausgraben und die Schoten abschneiden, bevor sie sich öffnen, und die Pflanze wird es dir nicht übelnehmen. Möchtest du sie lieber nicht hinterherjagen, bleibt die wohlerzogene Sumpf-Seidenpflanze genau dort stehen, wo du sie gepflanzt hast.

Lösung:

  • Unerwünschte Rhizomtriebe ausgraben und entfernen
  • Samenschoten abschneiden und entfernen, bevor sie aufplatzen, um die Selbstaussaat zu begrenzen
  • Die Gewöhnliche Seidenpflanze dort pflanzen, wo Ausbreitung willkommen ist, oder für kleine Beete die horstbildende Sumpf-Seidenpflanze wählen
Kosmetisch

Eine Kruste leuchtend orangefarbener Blattläuse an Stielen und Knospen

Keine Panik, wenn du sie entdeckst, denn das sind Oleanderblattläuse, ein vertrauter Gast der Seidenpflanze, der sich zu dichten gelborangen Kolonien zusammenballt und eine klebrige Spur aus Honigtau hinterlässt. Ein kräftiger Wasserstrahl fegt sie fort, oder du wischst die Kolonien einfach von Hand ab. Lass die Spritzmittel bitte im Schuppen, denn genau dieselben Chemikalien würden auch den Monarcheiern und -raupen schaden, für die du diese Seidenpflanze überhaupt erst gepflanzt hast.

Lösung:

  • Blattläuse mit einem kräftigen Wasserstrahl abspritzen
  • Kolonien abwischen oder von Hand entfernen
  • Insektizide vermeiden, da sie Monarcheier und -raupen töten
Kosmetisch

Angeknabberte Blätter und kahle Stiele mit leuchtend bunten Käfern bei der Arbeit

Die Seidenpflanze ist ein reich gedeckter Tisch für viele Gäste, wirf also erst einen freundlichen Blick darauf, wer da speist, bevor du dir Sorgen machst. Die schwarz-orangen Seidenpflanzenwanzen und -käfer sind harmlos, und du kannst sie von Hand absammeln, falls ihr Fressen überhandnimmt. Diese gelb-weiß-schwarz gestreiften Fresser dagegen sind Monarchraupen, der Grund, warum du die Pflanze überhaupt gezogen hast, lass sie also schmausen und greife bei einer Wirtspflanze niemals zum Spritzmittel.

Lösung:

  • Das Insekt bestimmen, bevor du handelst; Monarchraupen tolerieren, denn genau dafür ist die Pflanze da
  • Schädliche Seidenpflanzenwanzen oder -käfer von Hand absammeln, wenn der Schaden zu groß wird
  • Keine Insektizide auf Wirtspflanzen spritzen
Kosmetisch

Ein Hautausschlag oder brennende Augen, nachdem der Saft dich berührt hat

Das lässt sich leicht beheben, mach dir also keine Sorgen, falls es passiert: Der milchige Milchsaft enthält herzwirksame Glykoside und Harzstoffe, die bei Kontakt Haut und Augen reizen können. Wasche die betroffene Haut mit Seife und Wasser, spüle deine Augen gründlich aus, falls Saft hineingeraten ist, und rufe einen Arzt, sollte das Brennen nicht nachlassen. Ein Paar Handschuhe beim Schneiden und die Hände vom Gesicht fernzuhalten machen es leicht, das zu vermeiden.

Lösung:

  • Die betroffene Haut mit Seife und Wasser waschen
  • Die Augen mit Wasser ausspülen und bei anhaltender Reizung ärztlichen Rat einholen

Giftigkeit

Die Seidenpflanze ist eine giftige Pflanze, und genau dieses Gift ist der Sinn der Sache, denn es beschützt die Monarchfalter, die auf sie angewiesen sind. Jeder Teil enthält herzwirksame Glykoside im milchigen Saft, giftig für Katzen, Hunde, Pferde, Kaninchen, Vögel und Nutztiere, und eine echte Ursache tödlicher Vergiftungen bei Weidetieren. Auch Menschen sollten sie nicht essen, und der Saft brennt auf Haut und in den Augen, trag also Handschuhe und halte Kinder und Haustiere von der Pflanze fern, dann ist alles gut.

Giftig für

Katzen · Hunde · Pferde · Kaninchen · Nutztiere · Vögel · Menschen

Katzen Mittel

Eine neugierige Katze, die von Blättern oder Saft probiert, beginnt meist zu sabbern und zu erbrechen, verliert das Interesse am Fressen und wirkt schwach und matt. Versuch, es früh zu bemerken, denn ein größerer Bissen kann bis zu Krämpfen, erschwerter Atmung, schwachem Puls und geweiteten Pupillen führen.

Hunde Mittel

Kaut ein Hund an irgendeinem Teil, achte auf Erbrechen, Durchfall, schwere Niedergeschlagenheit und Schwäche. Eine größere Portion kann zu Krämpfen, Atemnot und schnellem, fadenförmigem Puls führen, geh also ohne Verzögerung zum Tierarzt.

Pferde Schwerwiegend

Pferde trifft es hart, mit Koliken, Durchfall, Schwäche und einem stumpfen, teilnahmslosen Blick. Die Glykoside bringen den Herzschlag durcheinander und können zu Krämpfen, ringender Atmung und Tod führen, ein Anruf beim Tierarzt ist also dringend.

Kaninchen Giftig

Die herzwirksamen Glykoside bedrohen ein Kaninchen genauso stark, kein Teil der Pflanze ist also jemals unbedenklich anzubieten. Achte auf Verdauungsstörungen und Schwäche, und halte frische Stiele wie getrocknetes Schnittgut gleichermaßen außer Reichweite.

Nutztiere Schwerwiegend

Rinder und Schafe können innerhalb von Stunden zusammenbrechen, wanken und schwächeln, bevor Krämpfe und Kollaps einsetzen. Schon ein recht kleiner Bissen grüner Pflanze hat Weidetiere binnen ein bis zwei Tagen getötet, halte dein Vieh also ganz von ihr fern.

Vögel Giftig

Auch Vögel haben keinen Schutz gegen die Cardenolide, keiner sollte also an irgendeinem Teil fressen dürfen. Behandle Garten- und Hofvögel gleichermaßen als gefährdet, und zäune die Pflanze von Ställen und Ausläufen ab, um sicherzugehen.

Menschen Vorsicht

Kein Teil der Seidenpflanze gehört in die Küche, und größere Mengen davon zu essen bringt Magenverstimmung, Schwäche und unregelmäßigen Herzschlag mit sich. Halte Kinder davon ab, an Schoten oder Stielen zu kauen, und wasche den reizenden Saft von Haut und aus den Augen.

Der milchige Saft reizt Augen und Haut; trage beim Umgang Handschuhe und halte Weidetiere von Pflanzen und Schnittgut fern.

Notrufnummern

Deutschland

Giftnotruf (Berlin): 030 19240

Österreich

Vergiftungsinformationszentrale: 01 406 43 43

Schweiz

Tox Info Suisse: 145

Sorten

Die Seidenpflanze ist keine einzelne Pflanze, sondern eine freundliche Gruppe heimischer Arten, und welche zu dir passt, hängt einfach davon ab, ob du eine Kolonie in einer Wildwiese oder einen einzelnen, ordentlichen Horst im Beet möchtest.

Asclepias syriaca (Gewöhnliche Seidenpflanze)

Das ist die hohe Art mit 90 bis 150 cm, leicht zu erkennen an ihren breiten, ovalen Blättern und runden rosa-violetten Blütenköpfen, wenngleich sie kräftig über Rhizome läuft und sich in trockenem bis mittelfeuchtem Boden zu großen Kolonien zusammenfindet.

Asclepias incarnata (Sumpf-Seidenpflanze)

Eine anmutige, wohlerzogene Horstbildnerin mit 90 bis 150 cm, schmalen Blättern und rosa bis malvenfarbenen Blüten, die feuchten bis nassen Boden liebt, auf einer tiefen Pfahlwurzel ruht und erfreulicherweise nie über Rhizome läuft.

Asclepias incarnata subsp. pulchra (Östliche Sumpf-Seidenpflanze)

Diese östliche Spielart der Sumpf-Seidenpflanze trägt behaartere Stiele und Blätter und fühlt sich in feuchten Wiesen und entlang von Bachufern richtig zu Hause.

Vermehrung

Die Seidenpflanze wird meist aus Samen gezogen, die vor dem Keimen eine kalte Ruhephase brauchen, und das ist einfacher, als es klingt, wenngleich sich die Gewöhnliche Seidenpflanze auch an der Wurzel teilen lässt.

AussaatMittel

Im Herbst oder zeitigen Winter draußen säen, oder etwa 30 Tage kalt-feucht stratifizieren und 6 bis 8 Wochen vor dem letzten Frost drinnen aussäen · Sämlinge keimen im Frühjahr; die Pflanzen blühen meist erst im zweiten Jahr

Aussaat ist der freundliche, übliche Weg, und sie braucht nur ein wenig Kälte und Licht, um zu erwachen. Säe im Herbst oder zeitigen Winter draußen und lass die Jahreszeit für dich kühlen, oder gib den Samen etwa 30 Tage kalt-feuchte Stratifikation im Kühlschrank und beginne 6 bis 8 Wochen vor deinem letzten Frost drinnen. Drücke die Samen auf die Oberfläche, statt sie einzugraben, achte im Frühjahr auf Keimlinge, und hab Geduld mit dir selbst beim Warten, denn die meisten Pflanzen halten sich mit der Blüte bis zum zweiten Jahr zurück.

TeilungMittel

Zeitiges Frühjahr, sobald der Neuaustrieb erscheint · Eine Wachstumssaison

Im zeitigen Frühjahr, sobald der Neuaustrieb hochkommt, kannst du die Gewöhnliche Seidenpflanze zuversichtlich teilen oder Rhizom- und Wurzelstecklinge nehmen, sie lebt sich dann innerhalb einer einzigen Saison ein. Lass die Sumpf-Seidenpflanze hierbei jedoch aus, denn ihre tiefe Pfahlwurzel mag es nicht, bewegt zu werden, und ist am glücklichsten genau dort, wo sie steht.

Mythen

Mythos

Jede Seidenpflanze ist ein lästiges Unkraut, das ausgerottet werden sollte.

Realität

Sei unbesorgt, denn heimische Seidenpflanzen sind tragende Säulen für Bestäuber und die einzige Nahrung, die eine Monarchraupe je annimmt. Die Gewöhnliche Seidenpflanze kann im Garten wandern, verdient sich ihren Platz aber mehr als reichlich, und horstbildende Arten wie die Sumpf-Seidenpflanze verhalten sich im Beet vorbildlich.

Mythos

Jede Seidenpflanze hilft den Monarchfaltern, auch die tropische Seidenpflanze.

Realität

Von diesem Mythos kannst du dich getrost verabschieden, denn die nicht heimische tropische Seidenpflanze (A. curassavica) bleibt in milden Klimazonen ganzjährig stehen, bringt die Wanderung und Winterruhe der Monarchfalter durcheinander und lässt den OE-Parasiten sich vermehren. Bleib bei Arten, die in deiner Region heimisch sind, dann kannst du nichts falsch machen.

Quellen