Zimmerpflanze · Marantaceae
Gebetspflanze
Maranta leuconeura
Gönn ihr sanftes Wasser, gleichmäßige Feuchtigkeit und ein feuchtes Plätzchen, und die Gebetspflanze dankt es dir, indem sie jeden Abend ihre Blätter zusammenfaltet.
Hell, indirekt
bis 4°C
15–46 cm

Überblick
Lass dich vom Namen nicht abschrecken, denn die Gebetspflanze verdient ihn auf die sanfteste Art. Tagsüber breiten sich ihre Blätter flach aus, und bei Einbruch der Dunkelheit heben sie sich und legen sich zusammen, ganz so, als würden zwei Hände zum Gebet gefaltet. Sie gehört zur Familie der Marantaceae und wächst im schattigen, feuchten Unterholz brasilianischer Regenwälder, und schon dieses eine Detail verrät fast alles, was sie von dir braucht.
Der eigentliche Grund, warum man sich in sie verliebt, sind die Blätter. Jedes trägt auffällige Zeichnungen, mal rote Adern, die ein Fischgrätenmuster auf tiefem Grün nachzeichnen, mal weiche, dunkle Flecken, die wie kleine Fußspuren aussehen. Für kleinere Wohnungen ist sie ideal, denn sie wird nie höher als 46 cm, sodass ein Regal, ein Hängetopf oder eine freie Schreibtischecke völlig ausreicht.
Vielleicht hast du gehört, sie sei anspruchsvoll, doch das ist nicht ganz fair. Sie weiß einfach, was sie mag: sanftes Wasser, nie ganz trocknende Feuchtigkeit und eher feuchte Luft. Verwendest du hartes Leitungswasser oder steht sie in einem zu trockenen Raum, verbräunen die Blattränder, aber selbst das lässt sich leicht wieder in Ordnung bringen. Behältst du diese wenigen Dinge im Blick, hast du eine nachsichtige, haustierfreundliche Zimmerpflanze, die dir nach Einbruch der Dunkelheit wie ein Uhrwerk ihre Blätter schließt.
Pflege
Kurz gesagt: Stell sie hell, aber ohne direkte Sonne auf, gieße mit Regenwasser oder gefiltertem Wasser, damit die Erde gleichmäßig feucht bleibt, und gib ihr einen warmen, feuchten Platz mit mindestens 15,6 °C, dann versteht ihr euch bestens.
Licht
Stell die Gebetspflanze an einen Ort mit hellem, indirektem Licht und schütze sie vor direkter Sonne, die die schönen Zeichnungen verblassen lässt und die Blätter verbrennt. Sie kommt auch mit mittlerem oder sogar schwachem Licht zurecht, doch die kräftigsten Farben zeigt sie an einem hellen Platz ohne harte Strahlen.
Gießen
Halte die Erde von Frühjahr bis Sommer gleichmäßig feucht, gieße dann von Herbst bis Spätwinter etwas zurückhaltender und lass sie leicht antrocknen. Noch wichtiger ist, was in der Gießkanne landet, denn diese Pflanze reagiert empfindlich auf Fluorid, Chlor und Salze im Leitungswasser, die die Blattspitzen verbrennen. Regenwasser, destilliertes oder gefiltertes Wasser hält das Laub sauber und grün.
Boden
Topf sie in eine feuchte, humusreiche, gut durchlässige Mischung auf Erdbasis. Sie soll Wasser halten, ohne je nass zu werden, denn ein durchnässter Wurzelballen führt zu Fäulnis, und genau das solltest du unbedingt vermeiden.
Temperatur
Halte sie warm und über 15,6 °C. Kalte Zugluft und kühle Fensterbänke sind ihre Schwachstelle, stell sie im Winter also weit weg von Türen und Lüftungsschlitzen, wo die Luft scharf wird.
Luftfeuchtigkeit
Sie liebt hohe Luftfeuchtigkeit und zeigt dir mit braunen, knusprigen Rändern deutlich, wenn ihr die Luft zu trocken wird. Stell den Topf auf eine Schale mit nassen Kieselsteinen oder betreibe einen kleinen Luftbefeuchter, und in Gesellschaft ein paar blättriger Nachbarn hält sich die Feuchtigkeit besser.
Düngen
Gib ihr während der Wachstumszeit im Frühjahr und Sommer einmal im Monat einen ausgewogenen Zimmerpflanzendünger, und reduziere das von Herbst bis Spätwinter deutlich. Eine leichte Hand ist am besten, denn Überdüngung verbrennt die Blätter genauso wie hartes Wasser.
Schneiden
Sie braucht nur sehr wenig Rückschnitt. Entferne beschädigte, verblasste oder braunspitzige Blätter, damit sie ordentlich aussieht, und das war es im Grunde schon.
Umtopfen
Topf im Frühjahr um, sobald die Wurzeln den Topf füllen oder aus den Abzugslöchern schauen. Genau dieser Zeitpunkt eignet sich auch perfekt zum Teilen, falls du mehr Pflanzen möchtest, denn der Wurzelballen lässt sich sanft trennen, während du ihn ohnehin schon in der Hand hast.
Größe & Abstand
Sie behält eine kompakte Form, wird 15 bis 46 cm hoch und 15 bis 61 cm breit. Dieser niedrige, ausladende Wuchs macht sie zu einer schönen Wahl für einen Hängetopf oder die vordere Kante eines Regals, wo die Blätter über den Rand hängen können.
Probleme lösen
Fast jede Sorge bei der Gebetspflanze zeigt sich an den Blättern, und das Beruhigende daran ist: Meist liegt es an Wasser, Licht oder Luftfeuchtigkeit und nicht an einer Krankheit. Erkennst du die ersten Anzeichen früh, kannst du meist gegensteuern, bevor sich etwas ausbreitet. Finde unten dein Symptom und ändere jeweils nur eine Sache auf einmal.
Welke, vergilbte Blätter und weiche, matschige Stängel
Erde, die zu lange nass bleibt, lädt Wurzelfäule geradezu ein, und das Erkennungszeichen sind Wurzeln, die braun und weich statt fest und hell sind. Hol die Pflanze aus dem Topf, schneide die verfaulten Wurzeln weg und setze sie in frische, gut durchlässige Erde. Danach gießt du nur noch, wenn sie wirklich Durst hat, und lässt den Topf nie in einem Untersetzer voll Wasser stehen.
Lösung:
- Aus der nassen Erde nehmen und verfaulte Wurzeln zurückschneiden
- In frische, gut durchlässige Erde umtopfen
- Nur bei Bedarf gießen und für guten Abzug sorgen
Feine Gespinste und winzige gelbe Sprenkel auf den Blättern
Warme, trockene Luft rollt für Spinnmilben den roten Teppich aus. Sie sammeln sich auf den Blattunterseiten und hinterlassen feine Gespinste und winzige gelbe Punkte. Spüle das Laub gründlich ab, erhöhe die Luftfeuchtigkeit und behandle die Pflanze mit insektizider Seife oder Gartenbauöl. Stell die Pflanze so lange von deinen anderen getrennt auf, bis auch die letzte Milbe verschwunden ist.
Lösung:
- Laub abspülen und Luftfeuchtigkeit erhöhen
- Mit insektizider Seife oder Gartenbauöl behandeln
- Betroffene Pflanze isolieren
Braune, brüchige Spitzen breiten sich an den Blatträndern aus
Diese trockenen, braunen Ränder sind eine Blattverbrennung, und meistens liegt die Ursache eher an deinem Leitungswasser als an irgendetwas, das du falsch gemacht hast. Fluorid, Chlor und Salz sammeln sich mit der Zeit an den Blatträndern, und starkes Düngen in trockener Luft verschlimmert den Schaden nur. Wechsle zu Regenwasser, destilliertem oder gefiltertem Wasser, dünge zurückhaltender und erhöhe die Luftfeuchtigkeit, dann wächst frisches Laub wieder sauber nach.
Lösung:
- Regenwasser, destilliertes oder gefiltertes/entchlortes Wasser verwenden
- Düngehäufigkeit und -stärke reduzieren
- Luftfeuchtigkeit erhöhen (befeuchteter Raum oder Topf auf einer Schale mit nassen Kieselsteinen)
- Beschädigte Spitzen aus optischen Gründen abschneiden
Verblasste Farbe und blasse, sonnengebleichte Flecken
Wenn das rot-grüne Muster verblasst und blasse Flecken auftauchen, steckt fast immer zu viel direkte Sonne dahinter. Denk daran, dass diese Pflanze im schattigen Waldboden aufgewachsen ist, starkes Licht überfordert sie einfach. Stell sie an einen Platz mit hellem, indirektem Licht und häng bei einem grellen Fenster einen transparenten Vorhang davor, dann stabilisiert sich die Farbe wieder.
Lösung:
- An einen Platz mit hellem, indirektem Licht ohne direkte Sonne stellen
- Starkes Fensterlicht filtern
Blätter, die nach Einbruch der Dunkelheit flach bleiben, statt sich zu falten
Eine zufriedene Gebetspflanze hebt und faltet ihre Blätter jede Nacht wie betende Hände, offen bleibende Blätter bedeuten also meist zu schwaches Licht oder eine gestresste Pflanze und nicht Krankheit. Die Farbe sieht dabei oft noch völlig einwandfrei aus. Gib ihr tagsüber helles, indirektes Licht und nachts echte Dunkelheit, und behebe alle Probleme bei Wasser, Luftfeuchtigkeit oder Temperatur, die sie beunruhigen könnten.
Lösung:
- Tagsüber ausreichend helles, indirektes Licht und nachts natürliche Dunkelheit bieten
- Wasser, Luftfeuchtigkeit und Temperatur anpassen, um Stress zu verringern
Giftigkeit
Für Tierhalter gibt es hier eine echte Beruhigung: Die Gebetspflanze ist völlig unbedenklich in deinem Zuhause. Die ASPCA stuft sie für Katzen, Hunde und Pferde als ungiftig ein und findet keine schädlichen Stoffe in den Blättern. Frisst ein neugieriges Haustier einen Bissen, kann ihm kurz etwas mulmig sein, aber eine echte Vergiftung musst du nicht befürchten.
Ungiftig für
Menschen · Katzen · Hunde · Pferde · Kaninchen · Nutztiere · Vögel
Katzen Keine
Katzen sind hier sicher. Die ASPCA findet nichts Giftiges, sodass eine blätterkauende Katze schlimmstenfalls kurz mit leichten Bauchschmerzen rechnen muss.
Hunde Keine
Hunde sind genauso sicher, denn im Laub steckt kein Gift. Ein großer Bissen kann einem Hund kurz etwas zu schaffen machen, aber nicht mehr.
Pferde Unbedenklich
Auch Pferde bekommen von der ASPCA grünes Licht. Da es kein Gift gibt, um das man sich sorgen müsste, schadet ihnen ein neugieriger Bissen überhaupt nicht.
Kaninchen Unbedenklich
Da keine giftigen Stoffe enthalten sind, kann ein Kaninchen sich gefahrlos den Raum mit der Pflanze teilen, auch wenn sie niemals das übliche Heu und Grünfutter des Kaninchens ersetzen sollte.
Nutztiere Unbedenklich
Nichts in den Blättern droht Weidetieren mit einer Vergiftung. Da es sich um eine empfindliche tropische Zimmerpflanze handelt, gerät sie ohnehin selten in ihre Reichweite.
Vögel Unbedenklich
Vögel als Haustiere müssen diese Pflanze nicht fürchten. Die Blätter enthalten keine Giftstoffe, sodass kurzes Draufsitzen oder Knabbern ihnen nichts anhaben kann.
Menschen Unbedenklich
Sie ist unbedenklich in der Nähe von Kindern. In keinem Teil steckt Gift, auch wenn sie wegen ihres Aussehens und nicht zum Essen gezogen wird.
Auch wenn sie ungiftig ist, kann das Fressen von Pflanzenteilen bei Haustieren leichte Magen-Darm-Beschwerden auslösen
Sorten
Ein paar benannte Formen begegnen dir immer wieder, meist unterschieden durch das Muster ihrer Blätter. Das sind die Sorten, die es kennenzulernen lohnt.
var. erythroneura (Fischgräten- / Rotnervige Gebetspflanze)
Das ist die auffällige Sorte, mit einer leuchtend roten Mittelrippe und roten Adern, die sich fischgrätenartig über die dunkelgrünen Blätter fächern.
var. kerchoveana (Hasenpfoten- / Hasenspuren-Gebetspflanze)
Eine weichere, hellgrünere Form mit zwei Reihen dunkler Flecken auf jedem Blatt, genau jene Zeichnung, die Gärtner an kleine Hasenspuren erinnert.
Vermehrung
Neue Gebetspflanzen zu ziehen ist einfacher, als du denkst, und das Frühjahr ist dein Zeitfenster, egal ob du einen vollen Wurzelballen sanft teilst oder einen Steckling zum Wurzeln bringst.
TeilungEinfach
Frühjahr, beim Umtopfen · Mehrere Wochen
Der sanfteste Weg zu mehr Pflanzen ist es, den Wurzelballen im Frühjahr zu teilen, während er ohnehin zum Umtopfen draußen ist. Teile den Ballen vorsichtig in ein paar Abschnitte, achte darauf, dass jeder eigene Wurzeln und Triebe behält, und topfe sie dann einzeln ein. Gib jedem Teilstück mehrere Wochen Zeit zum Einwurzeln, bevor neues Wachstum erscheint.
TriebstecklingeMittel
Frühjahr bis Sommer · Mehrere Wochen bis zur Bewurzelung
Gebetspflanzen lassen sich im Frühjahr oder Sommer auch aus Stecklingen ziehen, die knapp unter einem Blattknoten geschnitten werden. Stecke den Steckling in feuchte Erde und halte ihn warm und feucht. Rechne damit, dass die Wurzelbildung mehrere Wochen dauert.
Mythen
Die Gebetspflanze vergiftet deine Katzen und Hunde.
Die ASPCA führt die Gebetspflanze und die gesamte Maranta-Gruppe auf ihrer Liste ungiftiger Pflanzen für Katzen, Hunde und Pferde, ohne dass giftige Inhaltsstoffe verzeichnet sind. Du kannst sie ganz beruhigt in ein Zuhause voller Haustiere holen, auch wenn ein gieriger Bissen den Magen kurz durcheinanderbringen kann.
Die Blätter falten sich nachts aus religiösen Gründen.
Dieses nächtliche Falten ist Nyktinastie, eine einfache Tag-Nacht-Schlafbewegung, und nichts Mystisches. Nach Einbruch der Dunkelheit schwingen sich die Blätter nach oben und schließen sich in einer Haltung, die an betende Hände erinnert, und genau diese Ähnlichkeit gab der Pflanze ihren Namen.