Strauch · Rosaceae
Fingerstrauch
Potentilla fruticosa
Ein Strauch, der Einsteigern verzeiht und den ganzen Sommer hindurch blüht, und das fast ohne jeden Aufwand.
Volle Sonne
Alle 7–14 Tage
bis -46°C
0,6–1,2 m

Überblick
Wenn du gerade erst anfängst, ist der Fingerstrauch ein freundlicher Einstieg. Er ist ein kleines, rundliches Mitglied der Rosengewächse, das jeden Winter seine Blätter verliert, und er belohnt dich mit monatelangen Blüten. Schlichte, fünfblättrige Blüten, meist in weichem, buttrigem Gelb, öffnen sich über feinem Laub von Juni bis September. Der Strauch bleibt niedrig und ordentlich bei 61 bis 122 cm Höhe, sodass er sich gerne an einer Beetkante, als niedrige Hecke oder in jener sonnigen Ecke einlebt, mit der du bisher nichts anzufangen wusstest.
Das Beste für einen unsicheren Gärtner ist, wie schwer sich dieser Strauch aus der Ruhe bringen lässt. Kälte macht ihm nichts aus, bis hinunter zur USDA-Zone 2, und er nimmt mageren, sandigen, alkalischen oder schweren Lehmboden klaglos hin. Sind seine Wurzeln erst eingewachsen, kommt er mit Trockenperioden von selbst zurecht, ein vergessenes Gießen bringt ihn also nicht aus der Fassung. Und wenn dir schlichtes Gelb nicht zusagt, haben Züchter auch weiße, rosa und orangefarbene Formen hervorgebracht.
Gib ihm eine Sache, und er dankt es dir: Halte ihn von andauernder Hitze fern. Heiße Sommer bleichen die Blütenfarbe aus und können den Strauch mitgenommen aussehen lassen, deshalb macht er sich am besten in nördlichen Gärten und anderen kühlsommrigen Lagen. Biete ihm volle Sonne, durchlässigen Boden und einen kräftigen Rückschnitt jedes Frühjahr, und ehrlich gesagt gibt es kaum mehr zu tun.
Pflege
Kurz gesagt: gib ihm volle Sonne, gewöhnlichen, durchlässigen Boden und einen kräftigen Rückschnitt im Spätwinter oder frühen Frühjahr, und du hast schon fast alles geschafft. Er braucht kaum Düngung, übersteht Trockenheit, sobald er eingewachsen ist, und macht aus einem kühlen Sommer monatelange Blüte.
Licht
Volle Sonne bringt dir die üppigste Blütenfülle, gib ihm also so viel wie möglich davon. Er wächst auch im Halbschatten, doch die Blüten werden weniger, und der Strauch wird an dunkleren Standorten lockerer und langtriebiger. Im Zweifel wähle den helleren Platz.
Gießen
Sei anfangs aufmerksam und später entspannt. Halte junge Pflanzen gut gegossen, während ihre Wurzeln einwachsen, danach kannst du fast ganz zurücktreten, denn ein ausgewachsener Strauch ist bemerkenswert trockenheitsverträglich und möchte nur bei längeren Trockenperioden eine Wassergabe. Lass die obere Bodenhälfte antrocknen, bevor du erneut gießt.
Boden
Du wirst kaum einen Boden finden, den dieser Strauch nicht akzeptiert. Gewöhnlicher, durchlässiger Boden passt ihm gut, und er kommt mit Lehm, Ton, Sand und sogar magerem oder alkalischem Grund zurecht, mit jedem pH-Wert zwischen 5,5 und 8,0. Du musst dir kaum Gedanken machen, den Standort zu verbessern.
Temperatur
Der Winter stellt überhaupt keine Bedrohung dar, denn der Strauch ist winterhart von bitteren -45°C bis etwa 30°C. Der empfindliche Punkt ist der Sommer, nicht der Winter: anhaltende Hitze lässt die Blüten verblassen, weshalb ein kühlsommriges Klima ihm wirklich am besten passt.
Luftfeuchtigkeit
Dieser Strauch mag eher trockene Luft und fühlt sich bei schwülen Bedingungen nicht wohl. Niedrige Luftfeuchtigkeit und bewegte Luft halten die Blätter gesund, denn stehende, feuchte Luft ist genau das, was Blattflecken und Mehltau Tür und Tor öffnet.
Düngen
Beim Düngen kannst du dich entspannen. Ein ausgewogener Universaldünger oder eine Handvoll Kompost im frühen Frühjahr deckt alles ab, und der Strauch blüht auch auf magerem Boden fröhlich weiter, falls du es einmal vergisst.
Schneiden
Wenn du nur eine Aufgabe erledigst, dann diese. Der Strauch blüht an frischem, neuem Holz, schneide ihn also im Spätwinter bis frühen Frühjahr kräftig zurück, um eine ordentliche Form zu bewahren und neue Blüten anzuregen, und entferne dabei schlaksige oder ungepflegte Triebe.
Umtopfen
Im Garten braucht er nie ein Umtopfen, und im Topf nur selten. Setze ihn erst in ein größeres Gefäß um, wenn sich die Wurzeln am Rand winden, Wasser einfach durchläuft oder das Wachstum schlicht stillsteht.
Größe & Abstand
Stell dir einen sanft gerundeten Strauch von etwa 61 bis 122 cm Höhe vor, der sich etwas breiter ausbreitet, als er hoch ist, auf 91 bis 152 cm Breite. Gib jeder Pflanze so viel Platz, dann füllt sich die runde Form, ohne beengt zu wirken.
Wann pflanzen
Hier gibt es weder Eile noch Aufregung. Das ist ein sehr winterharter Strauch, gemacht für eine lange nördliche Wachstumssaison, setze junge Pflanzen also im Frühjahr aus, sobald der Frost vorbei ist, oder im frühen Herbst, wenn dir das lieber ist. Ein kräftiger Rückschnitt im Spätwinter sorgt dafür, dass die Blüten von Juni bis September weiter erscheinen.
Typische Monate für ein gemäßigtes Klima: In warmen Zonen früher beginnen, in Regionen mit späten Frühjahrsfrösten später.
- Aussaat: Spätwinter (stratifizierter Samen), 8 bis 10 Wochen vor dem letzten Frost
- Pflanzung: Frühjahr nach dem letzten Frost, oder früher Herbst
- Ernte: Juni bis September
Winterhärte
Temperatur: bis -46°C
Probleme lösen
Sei beruhigt, denn dieser Strauch braucht nur selten Rettung. Läuft doch mal etwas schief, liegt es meist an Hitze, feuchter Luft oder einem ausgelassenen Frühjahrsschnitt. Finde unten das Blatt- oder Blütensymptom, das zu deinem passt, und greife ein, solange deine Hilfe noch etwas bewirkt.
Gesprenkelte, bronzefarbene Blätter, von feinem Gespinst umhüllt
Keine Panik, wenn die Blätter gesprenkelt und bronzefarben unter einem Schleier aus Gespinst wirken, denn das sind schlicht Spinnmilben, die sich bei heißem, trockenem, stillem Wetter einnisten und die Farbe aus den Blättern saugen. Du kannst es prüfen, indem du auf einen Zweig über einem weißen Blatt Papier klopfst und nach kleinen, krabbelnden Punkten Ausschau hältst. Ein kräftiger Wasserstrahl auf die Blattunterseiten, mehr Luft um die Pflanze und bei starkem Befall insektizide Seife oder Gartenöl bringen alles wieder in Ordnung.
Lösung:
- Laub mit einem kräftigen Wasserstrahl abspritzen, besonders die Blattunterseiten
- Luftbewegung verbessern und heiße, stehende, trockene Standorte vermeiden
- Bei starkem Befall insektizide Seife oder Gartenöl anwenden
Dunkle Blattflecken oder ein mehliger weißer Belag
Deutliche dunkle Flecken bedeuten meist Blattfleckenpilz, während ein staubig heller Belag für Echten Mehltau steht, und beide nisten sich dort ein, wo die Luft warm, feucht und unbewegt bleibt. Pflücke die befallenen Blätter ab und entsorge sie, halte Wasser von den Blättern fern und lichte den Strauch aus, damit die Brise hindurchziehen kann. Meist lässt das Problem danach von selbst nach.
Lösung:
- Befallenes Laub entfernen und entsorgen
- Gießen von oben und nasses Laub vermeiden
- Auslichten oder zurückschneiden, um die Luftzirkulation zu verbessern
Blasse, verwaschene Blüten an einem kahlen, schlaksigen Strauch
Verblasst die Farbe und wird der Wuchs an der Basis holzig und kahl, liegt es meist an Sommerhitze, die die Blüten ausbleicht, zusammen mit einem ausgebliebenen Frühjahrsschnitt. Schneide den Strauch im Spätwinter bis frühen Frühjahr kräftig zurück, um frisches Blühholz anzuregen. Rosa- und rotblühende Sorten behalten ihre Farbe deutlich besser, wo die Sommer kühl bleiben, wähle also nach Möglichkeit einen milden Standort.
Lösung:
- Im Spätwinter bis frühen Frühjahr kräftig zurückschneiden, um Blühholz zu erneuern
- An kühleren, sonnigen Standorten pflanzen; rosa- und rotblühende Sorten behalten ihre Farbe in kühlem Klima besser
Giftigkeit
Hier ist eine Sorge weniger. Die ASPCA stuft Fingerstrauch als ungiftig für Katzen, Hunde und Pferde ein, und auch für andere Tiere oder Menschen geht von ihm keine Gefahr aus. Pflanze ihn, wo immer du möchtest, auch dort, wo Haustiere und kleine Kinder unterwegs sind.
Ungiftig für
Menschen · Katzen · Hunde · Pferde · Kaninchen · Nutztiere · Vögel
Katzen Keine
Völlig sicher für Katzen; ein angeknabbertes Blatt oder eine Blüte enthält keine Gifte, die ihnen zu schaffen machen.
Hunde Keine
Ein Hund, der am Strauch nagt oder sich daran reibt, geht kein Vergiftungsrisiko ein.
Pferde Keine
Pferde können direkt daneben unbeschadet grasen, denn die ASPCA stuft Fingerkraut als ungiftig für sie ein.
Kaninchen Unbedenklich
Kaninchen können die Blätter bedenkenlos knabbern, ohne Sorge vor Giftigkeit.
Nutztiere Unbedenklich
Rinder, Ziegen und Schafe nehmen beim Fressen in der Nähe keinen Schaden.
Vögel Unbedenklich
Vögel, die am Strauch picken, nehmen dadurch keinen Schaden.
Menschen Unbedenklich
Unbedenklich im Umgang und auch in der Nähe von Kindern anzubauen, auch wenn er wegen seiner Optik und nicht zum Essen kultiviert wird.
Keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen wegen Giftigkeit nötig; trage beim Schneiden der verholzten Triebe bei Bedarf Handschuhe.
Sorten
Dieser altbewährte Gartenliebling gibt es dank geduldiger Züchtung heute in weit mehr als nur dem klassischen Gelb. Das sind die Sorten, denen du am ehesten begegnest.
'Abbotswood'
Eine ordentliche, kompakte Auslese, deren reinweiße Blüten über weichem, blaugrünem Laub sitzen.
'Goldfinger'
Große, tief goldgelbe Blüten überziehen diesen kompakten Polster über weite Teile der Saison.
CHEESEHEAD ('SMPFMY')
Ein leuchtend gelb blühender Strauch, geschätzt für seinen ordentlichen, runden Wuchs.
Happy Face Pink Paradise
Eine rosafarbene Auslese, die ihre Farbe durch kühlere Sommer deutlich besser behält.
Vermehrung
Diesen Strauch zu vermehren ist wirklich einfach, und Einsteiger haben bei jeder Methode gute Chancen. Bewurzele einen Steckling, teile einen etablierten Horst, oder säe Samen aus, wenn dir eine kleine Überraschung im Ergebnis nichts ausmacht.
TriebstecklingeEinfach
Weichholzstecklinge von spätem Frühling bis Sommer · 4 bis 8 Wochen bis zur Bewurzelung
Stecklinge sind der einfachste Weg und sehr nachsichtig. Schneide Weichholz- oder Halbreifholzstücke von spätem Frühling bis in den Sommer, halte sie feucht, und sie schlagen in etwa 4 bis 8 Wochen Wurzeln.
AussaatMittel
Stratifizierten Samen von Spätwinter bis frühem Frühjahr aussäen · Mehrere Wochen bis zur Keimung; Sorten fallen aus Samen nicht sortenecht
Samen verlangt etwas mehr Geduld. Kühle ihn zunächst mit einer Kaltstratifikation, säe von Spätwinter bis frühem Frühjahr aus, und er keimt über mehrere Wochen. Bedenke dabei, dass benannte Sorten nicht sortenecht aus Samen fallen, deine Sämlinge werden also von der Mutterpflanze abweichen.
TeilungEinfach
Frühjahr oder früher Herbst · Eine Wachstumsperiode
Du kannst auch ältere Pflanzen im Frühjahr oder frühen Herbst teilen. Grabe einen Horst oder einen bewurzelten Ausläufer aus, löse ihn vorsichtig auseinander und setze die Teile wieder in den Boden, wo sie über eine Wachstumsperiode einwachsen.
Mythen
Wie viele blühende Sträucher muss der Fingerstrauch giftig für Haustiere sein.
Diese Sorge kannst du vollständig ablegen. Die ASPCA stuft Fingerkraut, Potentilla spp., als ungiftig für Katzen, Hunde und Pferde ein, es gibt hier also keine Gifte für Tiere, und ein neugieriger Bissen schadet nichts.
Schneide Potentilla direkt nach der Blüte zurück, so wie du es bei einem frühjahrsblühenden Strauch tun würdest.
Damit würdest du die Blütenpracht des nächsten Sommers wegschneiden, denn dieser Strauch bildet seine Blüten an neuem Holz. Schneide ihn stattdessen im Spätwinter bis frühen Frühjahr kräftig zurück, dann bekommst du die üppigste Blütenschau.