Zierpflanze · Ranunculaceae
Wiesenraute
Thalictrum rochebruneanum
Mit luftigen Blütenwolken auf hohen, schlanken Stielen bringt Wiesenraute sanfte Höhe und leichte Bewegung in ein schattiges Beet, auf das du stolz sein wirst.
Halbschatten
Alle 5–10 Tage
bis -34°C
1,2–1,8 m

Überblick
Wenn dies dein erster Versuch mit einer hohen Staude ist, ist Wiesenraute ein wunderbar nachsichtiger Einstieg. Sie ist eine horstbildende Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse, angebaut für den Blütennebel, den sie hoch über spitzenartigem, akeleiähnlichem Laub trägt. Die Stiele können bei manchen Sorten weit über Kopfhöhe hinauswachsen, doch die ganze Pflanze bleibt leicht und durchscheinend, sodass du geradewegs hindurchsehen kannst zu dem, was dahinter wächst.
Die gute Nachricht ist, dass sie leicht zufriedenzustellen ist, sobald sie am richtigen Platz steht. Gib ihr Halbschatten und gleichmäßige Feuchtigkeit, und sie lässt sich problemlos nieder, denn nur in trockener, praller Sonne schmollt sie. Sie passt gut in die kühleren, feuchteren Ecken eines Gartens in den Zonen 4 bis 7, und sobald sie sich wohlfühlt, verlangt sie kaum noch etwas von dir.
Es gibt nur eine Sache, die du vor dem Pflanzen wissen solltest, und sie lässt sich leicht umschiffen. Wiesenraute gehört zur selben Familie wie die Hahnenfußgewächse, ihr Saft ist also ein Reizstoff, und kein Teil von ihr ist Nahrung, trotz des irreführenden Namens. Betrachte sie als Pflanze zum Bewundern statt zum Anfassen mit bloßen Händen, dann kommt ihr bestens miteinander aus.
Pflege
Kurz gesagt: gib ihr Halbschatten, reichen und zuverlässig feuchten Boden und dort, wo Sommer heiß werden, etwas Nachmittagsschatten. Stütze die hohen Sorten früh, schneide die Pflanze im Spätherbst bodennah zurück und teile den Horst erst, wenn er sich selbst zu eng wird.
Licht
Wiesenraute fühlt sich im Halbschatten am wohlsten und verträgt volle Sonne nur dort, wo der Boden feucht bleibt und die Sommer mild ausfallen. In heißen Regionen gönn ihr Nachmittagsschatten, denn grelle Mittagssonne kann die Blätter versengen.
Gießen
Halte den Boden gleichmäßig feucht, aber niemals nass, gieße etwa alle 5 bis 10 Tage und bei Trockenheit etwas häufiger. Pflanzen in voller Sonne trinken mehr als solche im Schatten, und bei Hitze versengt zuerst diese durstige Pflanze, also lohnt sich hier etwas Aufmerksamkeit.
Boden
Gib ihr reichen, humusreichen, gut durchlässigen Lehmboden, der Feuchtigkeit hält, ohne zu vernässen. Beim pH-Wert ist sie wirklich nicht wählerisch und gedeiht munter in saurem, neutralem oder alkalischem Boden, sodass die Struktur weit mehr zählt als die Chemie.
Temperatur
Wiesenraute ist wunderbar winterhart, steckt Kälte bis etwa -34°C locker weg und kommt mit sommerlicher Wärme bis rund 30°C zurecht. Ihre eigentliche Schwachstelle ist gar nicht die Kälte, sondern heißes, schwüles Wetter, und genau dann macht sich Nachmittagsschatten bezahlt.
Luftfeuchtigkeit
Die übliche Außenluftfeuchtigkeit reicht ihr völlig, es gibt hier also keinen Zielwert zu verfolgen. Was wirklich zählt, ist Luftzirkulation, denn stehende, schwüle Luft um dicht gedrängte Blätter lädt Mehltau und Rost geradezu ein.
Düngen
Arbeite im Frühjahr, wenn das Wachstum beginnt, etwas Kompost oder Volldünger in den Boden ein, das reicht meist für das ganze Jahr. Reicher, humusreicher Boden übernimmt den Großteil der Versorgung, sodass du hier nicht zu starkem Dünger greifen musst.
Schneiden
Schneide die verblühten Blütenstiele nach der Blüte zurück, damit alles ordentlich bleibt, und schneide die ganze Pflanze im Spätherbst oder zeitigen Frühjahr bodennah zurück. Die hohen Arten freuen sich oft über eine Stütze, während die kräftig stängeligen Sorten problemlos allein stehen.
Umtopfen
Wiesenraute bleibt gern an ihrem Platz und nimmt Störungen übel. Teile den Horst nur alle 3 bis 4 Jahre, im Frühjahr während der Ruhephase, und nur dann, wenn Überfüllung, nachlassendes Wachstum oder kleinere Blätter dir zeigen, dass sie einen Neuanfang möchte.
Größe & Abstand
In Blüte erreichen diese Pflanzen 122 bis 183 cm Höhe und ragen auf schlanken Stielen aus einem viel niedrigeren Blätterpolster auf. Gib jedem Horst etwa 61 bis 91 cm Platz, damit die Luft frei zirkulieren kann und das Laub schön trocken bleibt.
Wann pflanzen
Wiesenraute passt sich einem Garten mit kalten Wintern gut an. Säe frisches Saatgut im Herbst oder ziehe es im Spätwinter drinnen vor, setze deine jungen Pflanzen nach dem letzten Frost im Frühjahr ins Beet, und du wirst vom Hochsommer bis in den Frühherbst mit luftigen Blüten belohnt.
Typische Monate für ein gemäßigtes Klima: In warmen Zonen früher beginnen, in Regionen mit späten Frühjahrsfrösten später.
- Aussaat: Spätwinter bis frühes Frühjahr; frischer Samen keimt am besten, daher ist auch eine Herbstaussaat mit frischem Samen wirksam.
- Pflanzung: Frühjahr nach dem Frost, oder Herbst.
- Ernte: Juli bis September
Winterhärte
Temperatur: bis -34°C
Probleme lösen
Sei unbesorgt, Wiesenraute ist eine gesunde Pflanze, und fast all ihre Probleme kommen von stehender Luft oder Sommerhitze und nicht von etwas Ernsthaftem. Lerne die frühen Anzeichen an Blättern und Stielen zu erkennen, dann kannst du eingreifen, lange bevor ein Pilz oder eine Hitzewelle wirklich Fuß fasst.
Knusprige, hängende Blätter während einer sommerlichen Hitzewelle
Wiesenraute mag heißes, schwüles Wetter einfach nicht, und sie kann in voller Nachmittagssonne versengen, vor allem, wenn der Boden ausgetrocknet ist. Die Lösung ist einfach und verzeihend: biete ihr Nachmittagsschatten, wo deine Sommer heftig werden, und halte den Boden gleichmäßig feucht. Eine gemütliche Mulchschicht hält diese Feuchtigkeit fest und sorgt dafür, dass die Wurzeln angenehm kühl bleiben.
Lösung:
- In heißen Klimazonen Nachmittagsschatten bieten
- Den Boden gleichmäßig feucht halten
- Mulchen, um die Feuchtigkeit zu bewahren
Ein weicher weißer Staub, der sich über die Blätter legt
Keine Sorge, das ist nur Echter Mehltau, ein Pilz, der auftritt, wenn die Luft um die Pflanze still und feucht bleibt. Du bekommst ihn in den Griff, indem du auslichtest und weiter setzt, damit ein Lüftchen hindurchziehen kann, und indem du beim Gießen den Boden statt der Blätter triffst. Zupfe das am stärksten betroffene Laub ab und entsorge es im Restmüll statt im Kompost.
Lösung:
- Die Luftzirkulation durch Auslichten und weiteren Pflanzabstand verbessern
- Gießen von oben vermeiden
- Betroffenes Laub entfernen und entsorgen
Kleine orangebraune Erhebungen auf der Blattunterseite
Diese erhabenen Flecken sind Rost, ein weiterer Pilz, der feuchte, dicht gedrängte Blätter mag, und er lässt sich leicht in den Griff bekommen. Entferne die befallenen Blätter behutsam und entsorge sie, und lockere den Horst auf, damit das übrige Laub nach Regen schnell abtrocknen kann. Tief unten am Boden zu gießen macht die ganze Pflanze deutlich zufriedener.
Lösung:
- Befallene Blätter entfernen und vernichten
- Die Luftzirkulation verbessern
- Bewässerung von oben vermeiden
Hohe Stiele, die sich unter dem Gewicht ihrer Blüten neigen
Das ist schlicht kopflastiges Wachstum, und es zeigt sich stärker bei älteren Pflanzen oder solchen, die etwas zu schattig oder windig stehen. Der freundliche Trick ist, rechtzeitig eine Stütze anzubringen, bevor die Stiele sich zu neigen beginnen, denn einmal umgeknickt, richten sie sich selten wieder auf. Ein hellerer Platz baut kräftigere Stiele auf, und die robustesten Sorten tragen sich problemlos selbst.
Lösung:
- Hohe Stiele stützen oder abstützen
- An einem ausreichend hellen Platz pflanzen, um kräftigere Stiele zu fördern
Giftigkeit
Mit ein wenig Vorsicht im Umgang ist bei Wiesenraute alles gut. Wie der Rest der Hahnenfußgewächse enthält ihr Saft Protoanemonin, einen Reizstoff, der die Haut röten und den Magen verstimmen kann, wenn ein Teil gekaut wird. Nichts an der Pflanze ist essbar, halte Blätter und Schnittstiele also von Haustieren, Nutztieren und Kindern fern, und zieh beim Schneiden Handschuhe an.
Giftig für
Katzen · Hunde · Pferde · Kaninchen · Nutztiere · Vögel · Menschen
Katzen Mild
Knabbert eine Katze an einem Blatt, kann sie sabbern und sich mit der Pfote ans Maul fassen, vielleicht mit etwas Erbrechen oder weichem Stuhl. Zum Glück hält der bittere, scharfe Saft sie meist davon ab, viel zu schlucken.
Hunde Mild
Beißt ein Hund in einen Stiel, achte auf Sabbern, ein wundes Maul und einen kurzen Schub von Erbrechen oder Durchfall. Der scharfe Geschmack stoppt die meisten Hunde schon nach dem allerersten Bissen, ernste Probleme sind daher selten.
Pferde Mild
Der reizende Saft kann einem weidenden Pferd ein wundes Maul und leichte Koliken bescheren, doch der scharfe Geschmack sorgt dafür, dass die meisten Pferde nur kosten und weiterziehen.
Kaninchen Mild
Ein neugieriges Kaninchen, das vom Laub probiert, bekommt womöglich eine leichte Mundreizung und etwas weicheren Stuhl. Beruhigenderweise lassen die meisten davon ab, sobald sie auf diesen beißenden Saft treffen.
Nutztiere Mild
Rinder, Ziegen und Schafe können durch das Protoanemonin in den Blättern ein wundes Maul und einen unruhigen Magen bekommen, doch die Bitterkeit hält ihren Verzehr sehr gering.
Vögel Vorsicht
Für Vögel gibt es kaum verlässliche Hinweise, daher ist es klug, die Pflanze vorsichtshalber zu meiden und abgeschnittene Stiele und Schnittgut einfach dort zu verstauen, wo sie nicht herankommen.
Menschen Vorsicht
Kein Teil der Wiesenraute ist essbar. Der frische Saft kann die Haut röten oder reizen und im Mund brennen, zieh beim Schneiden der Stiele also Handschuhe an und halte die Pflanze kleinen Kindern fern.
Trage beim Schneiden oder Handhaben abgeschnittener Stiele Handschuhe, um Hautkontakt mit dem Saft zu vermeiden; wasche dir danach die Hände und halte abgeschnittenes Laub von Haustieren und kleinen Kindern fern.
Notrufnummern
Deutschland
Giftnotruf (Berlin): 030 19240
Österreich
Vergiftungsinformationszentrale: 01 406 43 43
Schweiz
Tox Info Suisse: 145
Sorten
In Gärten tauchen einige Wiesenrauten auf, von kräftigen Riesen bis zu weichen, flauschig blühenden Arten. Hier sind die, die es sich zu kennen lohnt.
Thalictrum rochebruneanum Lavender Mist
Du wirst lieben, wie diese Sorte einen Schleier aus lavendelvioletten Blüten mit gelben Staubgefäßen auf hohen, kräftigen Stielen trägt, die sich wunderbar von selbst aufrecht halten, ganz ohne Stütze.
Thalictrum aquilegiifolium
Diese als Akeleiblättrige Wiesenraute bekannte Art wird mit 60 bis 90 cm freundlicher niedrig und trägt flauschige, puderquastenartige Köpfe in Rosa, Violett oder Weiß über weichem, akeleiähnlichem Laub.
Thalictrum delavayi Hewitt's Double
Dieser Liebling trägt langlebige, vollständig gefüllte lavendelfarbene Blüten, die ihre Farbe deutlich länger halten, denn ohne Staubgefäße zum Abwerfen bleiben sie einfach, wie sie sind.
Vermehrung
Du kannst mehr Wiesenraute bekommen, indem du einen etablierten Horst teilst oder sie aus Samen ziehst. Keiner der beiden Wege geht schnell, doch beide belohnen einen geduldigen Gärtner, und an Geduld und Zeit mangelt es dir sicher nicht.
TeilungMittel
Im Frühjahr während der Ruhephase, etwa alle 3 bis 4 Jahre. · Teilstücke können langsam anwachsen, oft eine Saison oder länger.
Hebe den Horst im Frühjahr, während er noch ruht, behutsam an und teile den Wurzelstock, das musst du nur alle 3 bis 4 Jahre tun, sobald sich eine Pflanze selbst zu eng wird. Halte deine neuen Teilstücke gleichmäßig feucht und gib ihnen großzügig Zeit, denn sie brauchen oft eine Saison oder länger, um sich richtig einzuleben und etabliert auszusehen.
AussaatMittel
Frisches Saatgut im Herbst säen oder im Spätwinter bis zeitigen Frühjahr drinnen vorziehen. · Ein bis mehrere Jahre bis zur Blühgröße aus Samen.
Säe frisches Saatgut im Herbst oder ziehe es im Spätwinter bis zeitigen Frühjahr drinnen vor, denn frisches Saatgut keimt weit besser als Samen, der schon länger liegt. Setze die Sämlinge in reichen, feuchten, humusreichen Boden und bring etwas Geduld mit, denn eine aus Samen gezogene Pflanze kann ein bis mehrere Jahre brauchen, um Blühgröße zu erreichen.
Mythen
Wiesenraute ist eine echte Raute und wirkt in Kräuterrezepten genauso.
Es ist eine leicht verständliche Verwechslung, doch der gemeinsame Name führt in die Irre. Wiesenraute ist ein Thalictrum aus der Familie der Hahnenfußgewächse, während die echte Raute Ruta graveolens ist, ein Kraut aus der Rautenfamilie, mit dem sie schlicht nicht verwandt ist. Wiesenraute ist kein Koch- oder Heilkraut, und ihr Saft ist ein Reizstoff, behandle die beiden also bitte nicht als austauschbar.
Zierpflanzen aus der Familie der Hahnenfußgewächse wie Wiesenraute sind völlig ungefährlich im Umgang.
Pflanzen dieser Familie enthalten Ranunculin, das sich in dem Moment, in dem das Gewebe zerdrückt oder gekaut wird, in den Reizstoff Protoanemonin verwandelt. Frischer Saft kann die Haut röten und beim Verschlucken den Magen verstimmen, du musst dich also nicht fürchten, zieh beim Schneiden der Stiele einfach Handschuhe an.