Baum · Pinaceae

Gemeine Fichte

Picea abies

Robust, schnellwüchsig und winterhart bis -40°C, wächst die Gemeine Fichte zu einem hoch aufragenden Nadelbaum mit weit ausladenden, überhängenden Zweigen heran.

Licht

Volle Sonne

Gießen

Alle 7–⁠14 Tage

Winterhärte

bis -46°C

Endgröße

12–⁠18 m

Haustierfreundlich
Gemeine Fichte

Überblick

Wenn du neu bei Bäumen bist, ist die Gemeine Fichte ein wunderbarer Einstieg, verzeihend und schnell mit ihrer Belohnung. Sie ist der große Nadelbaum hinter so vielen Windschutzhecken, Sichtschutzpflanzungen und alten Hofanlagen im kalten Norden, und sie fühlt sich auch fernab ihrer europäischen Heimat in Gärten wohl. Ausgewachsene Bäume tragen anmutig herabhängende Zweigspitzen, die von aufwärts geschwungenen Ästen herabhängen und dem ganzen Baum ein sanftes, weinendes Aussehen verleihen, das dir schnell ans Herz wächst.

Worauf du dich vor allem einstellen solltest, sind Platz und Geduld. In der Wildnis klettert sie auf weit über 30 m, im Garten wird sie ein stattlicher 12 bis 18 m hoher Baum mit breiter, pyramidenförmiger Krone und flachen Wurzeln, die sich eher weit ausbreiten als tief eindringen. Lange Zapfen, die größten aller Fichten, wiegen sich an den oberen Ästen und tragen zu ihrem Reiz bei. Gib ihr genug Ellenbogenfreiheit, und sie wird zu einem Wahrzeichen, auf das du stolz sein wirst.

Was diesen Baum so leicht liebenswert macht, ist seine Robustheit. Er übersteht harte Kälte, kommt mit unterschiedlichsten Standorten zurecht und trotzt der Nadelschütte und den Rindenkrankheiten, die empfindlicheren Fichten zu schaffen machen, sodass kleine Fehler dich selten zurückwerfen. Halte ihre Füße feucht und ihren Kopf in der Sonne, dann verlangt sie kaum mehr von dir.

Pflege

Kurz gesagt: volle Sonne, feuchter, aber gut durchlässiger, leicht saurer Boden, und genug Platz zum Wachsen. Einmal eingewöhnt ist sie winterhart und verzeihend, sodass du sie kaum düngen musst und nur leicht zurückschneiden brauchst.

Licht

Die Gemeine Fichte liebt volle Sonne und entwickelt sich bei ganztägigem Licht am dichtesten und gesündesten. Sie verträgt etwas Halbschatten, doch ein beschatteter Baum lichtet sich und wird durchlässig, und reichlich Sonne hilft, Nadelkrankheiten fernzuhalten, wähle also einen hellen Platz, und sie wird es dir danken.

Gießen

Halte den Boden gleichmäßig feucht, aber gut durchlässig, und gieße durchdringend, während sich der Baum einlebt und in jeder Trockenphase. Sie hat wenig Geduld mit Extremen, kränkelt in nassem Boden und kämpft an heißen, trockenen Standorten, gieße also etwa alle 7 bis 14 Tage, wenn der Regen ausbleibt.

Boden

Biete ihr feuchten, gut durchlässigen, sandigen Lehmboden auf der sauren Seite, idealerweise mit einem pH-Wert von 5,0 bis 6,0. Sie passt sich einer ganzen Bandbreite an Böden an, verträgt aber keinen schweren, staunassen Lehm, in dem ihre flachen Wurzeln nicht atmen können.

Temperatur

Nur wenige Bäume trotzen der Kälte so tapfer, sie verträgt Temperaturen von -40°C bis 35°C. Sie gedeiht prächtig im kühlen Norden und wächst schlecht dort, wo die Sommer lang und heiß ausfallen.

Luftfeuchtigkeit

Gewöhnliche Außenluftfeuchtigkeit reicht ihr völlig, da gibt es keinen Wert, um den du dich kümmern musst. Luftbewegung ist wichtiger, denn stehende, dicht gedrängte Bedingungen laden die Nadelschüttepilze ein, die gestressten Bäumen zusetzen.

Düngen

Eine eingewöhnte Gemeine Fichte braucht kaum Dünger und kommt in ordentlichem Boden gut allein zurecht. Wirkt das Wachstum träge, reicht eine ausgewogene Langzeitdüngung im Frühling völlig aus, und in nährstoffreichen Böden brauchst du vielleicht gar keine.

Schneiden

Halte den Rückschnitt minimal, entferne im Spätwinter nur tote, beschädigte oder sich kreuzende Äste. Kappe den Baum niemals, denn das verdirbt seine schöne Form. Übernimmt ein Rüsselkäfer den Leittrieb, ziehe sanft einen aufrechten Seitentrieb heran, um an seine Stelle zu treten.

Umtopfen

keine

Größe & Abstand

Dies ist ein Waldriese im Werden, er erreicht 12 bis 18 m Höhe und breitet sich 7,5 bis 9 m aus. Pflanze sie weit entfernt von Gebäuden, Zufahrten und Leitungen, denn ihre flachen Wurzeln reichen weit, und die Krone wächst immer weiter.

Wann pflanzen

Bei einer Fichte gibt es keine Erntezeit zu beachten, nur den richtigen Moment zum Einpflanzen. Pflanze sie im Frühling oder frühen Herbst, damit sich die Wurzeln vor der Sommerhitze oder der tiefen Winterkälte einleben können, und mach dir keine Sorgen, denn sie ist winterhart genug für die kältesten Gärten, bis hinunter in Zone 2.

Pflanzen Mär–Mai
Pflanzen Sep–Okt

Typische Monate für ein gemäßigtes Klima: In warmen Zonen früher beginnen, in Regionen mit späten Frühjahrsfrösten später.

  • Pflanzung: Frühjahr oder früher Herbst

Winterhärte

Temperatur: bis -46°C

Probleme lösen

Eine gesunde Gemeine Fichte macht dir selten Kummer, und wenn doch etwas schiefläuft, liegt es meist an einem gestressten oder zu eng stehenden Baum. Behalte den Spitzentrieb und die inneren Nadeln sanft im Blick, denn dort zeigen sich die frühesten Hinweise. Finde unten, was zu deiner Beobachtung passt, und handle frühzeitig, dann geht das meiste ohne bleibenden Schaden vorüber.

Rückschlag

Wenn der Spitzentrieb abstirbt und sich wie ein Hirtenstab krümmt

Wenn die Spitze deines Baumes welkt und sich nach unten krümmt, sei unbesorgt, denn dieser häufige Besucher lässt sich beheben. Schuld ist der Weißkiefern-Rüsselkäfer, dessen Larven sich in den Leittrieb bohren und ihn abtöten. Schneide im mittleren bis späten Frühling, bevor die Käfer schlüpfen, den toten Spitzenteil unterhalb der Schadstelle heraus, und locke einen aufrechten Seitentrieb dazu, der neue Leittrieb zu werden. Ein Rindenkrebs namens Cytospora kann an Ast oder Leittrieb sehr ähnlich aussehen, wirf also einen genauen Blick darauf, falls der Rüsselkäfer als Ursache ausscheidet.

Lösung:

  • Den befallenen toten Leittrieb im mittleren bis späten Frühling unterhalb der Schadstelle herausschneiden und vernichten, bevor die Käfer schlüpfen
  • Einen aufrechten Seitentrieb zum neuen Leittrieb heranziehen
  • Die Vitalität des Baumes mit ausreichend Wasser und Mulch erhalten
Rückschlag

Innere Nadeln werden purpurbraun und fallen von unten nach oben ab

Wenn die älteren Nadeln tief im Inneren purpurbraun anlaufen und abfallen, beginnend an den untersten Ästen und sich nach oben vorarbeitend, lädt ein gestresster Baum meist die Rhizosphaera-Nadelschütte oder einen verwandten Pilz ein. Keine Sorge, eine Lupe verrät dir die Geschichte: Eine befallene Nadel zeigt Reihen winziger schwarzer Punkte, wo eine gesunde Nadel ordentliche weiße, wachsartige Flecken trägt. Du kannst das umkehren, indem du das Kronendach durch Abstand öffnest, drängende Konkurrenzpflanzen entfernst, am Stammfuß gießt und die schlimmsten Äste stutzt, denn Trockenheit und Wurzelstress vertiefen das Problem nur.

Lösung:

  • Die Luftzirkulation durch Abstand und Entfernen konkurrierender Vegetation verbessern
  • Beregnung von oben und Benetzen des Laubs vermeiden
  • Stark befallene Äste entfernen und vernichten
  • Gleichmäßige Bodenfeuchte und Mulch bewahren
Kosmetisch

Gesprenkelte, bronzefarbene Nadeln mit einem Hauch von Gespinst im Frühling und Herbst

Nadeln, die unter einem Schleier feinen Gespinstes gesprenkelt und bronzefarben werden, deuten meist darauf hin, dass die Fichtenspinnmilbe am Werk ist, die die Kühle von Frühling und Herbst bevorzugt. Um sicherzugehen, klopf einen Ast über weißem Papier ab und achte auf winzige, kriechende Pünktchen. Ein kräftiger Wasserstrahl spült die meisten von ihnen ab, fang also damit an; hebe Gartenbauöl für hartnäckige Fälle auf, und verzichte auf Breitbandmittel, die den Nützlingen schaden, welche die Milben in Schach halten.

Lösung:

  • Das Laub mit einem kräftigen Wasserstrahl abspritzen, um Milben zu lösen
  • Bei starkem Befall Gartenbauöl oder ein zugelassenes Akarizid anwenden
  • Breitband-Insektizide meiden, die die natürlichen Feinde der Milben töten

Giftigkeit

Hier gibt es gute Nachrichten, wenn du dein Zuhause mit Haustieren oder Kindern teilst: Die Gemeine Fichte ist nicht giftig. Die einzige echte Gefahr ist mechanischer Art, denn die Nadeln sind steif und spitz genug, um die Haut zu pieksen, und ein Mund voll verschluckter Nadeln kann eine vorübergehende Magenverstimmung auslösen. Nichts an diesem Baum vergiftet eine Katze, einen Hund oder ein neugieriges Kind.

Ungiftig für

Menschen · Katzen · Hunde · Pferde · Kaninchen · Nutztiere · Vögel

Katzen Keine

Hier kannst du entspannt bleiben, denn im Spiel ist kein Gift. Eine Katze, die an den Nadeln schnuppert oder knabbert, könnte wegen der spitzen Spitzen sabbern oder sich mit der Pfote über das Maul wischen, mehr steckt nicht dahinter.

Hunde Keine

Dein Hund ist um diesen Baum herum unbedenklich. Die steifen Nadeln können eine neugierige Nase zerkratzen, und ein verschluckter Mund voll kann eine kurze Magenverstimmung auslösen, aber giftig ist hier nichts.

Pferde Unbedenklich

Für Pferde gibt es beim Fressen nichts Giftiges. Sie lassen das stachelige Laub meist ohnehin in Ruhe, und selbst ein zufälliger Bissen schadet überhaupt nicht.

Kaninchen Unbedenklich

Kaninchen können den Garten ohne Sorge mit diesem Baum teilen, denn die Nadeln enthalten nichts, was ihnen schaden könnte.

Nutztiere Unbedenklich

Rinder, Ziegen und Schafe müssen sich vor dem Laub nicht vor einer Vergiftung fürchten. Wo manche Nadelbäume Nutztieren Ärger bereiten, bleibt die Fichte gern von dieser Liste verschont.

Vögel Unbedenklich

Vögel sind hier die klaren Gewinner, sie finden in den Ästen Deckung und Samen. Nichts an diesem Baum kann ihnen schaden.

Menschen Unbedenklich

Um Gift musst du dir bei Menschen keine Sorgen machen. Die spitzen Nadeln können bloße Haut pieksen, geh also mit frischen Zweigen vorsichtig um, ansonsten ist der Baum vollkommen sicher.

Die Nadeln sind steif und spitz und können die Haut pieksen; verschluckte Nadeln können leichte Reizungen von Mund oder Magen oder, in großer Menge, eine Verstopfung im Verdauungstrakt verursachen, halte Tiere also vom Kauen ab.

Sorten

Neben dem hoch aufragenden wilden Baum hat uns die Gemeine Fichte eine schöne Reihe eigenständiger Sorten geschenkt, von hängenden Riesen bis zu ordentlichen kleinen Zwergen. Diese solltest du dem Namen nach kennen.

'Pendula'

Du wirst die Dramatik dieser stark hängenden Form lieben, deren Zweige gerade nach unten fließen, ob du sie als Blickfang aufrecht anbindest oder sie sanft als Bodendecker ausbreiten lässt.

'Nidiformis'

Die sanfte Vogelnestfichte ist ein langsamwüchsiger Zwerg, der nur wenige Meter hoch bleibt, seine flache Krone sinkt in der Mitte zu einer gemütlichen, nestartigen Mulde ein.

'Acrocona'

Dieser kleine, unregelmäßig wachsende, oft leicht hängende Baum schenkt dir leuchtend rosarote junge Zapfen, die von den Zweigspitzen herabhängen.

'Cupressina'

Eine ordentliche, schmale Säule mit aufwärts geschwungenen Ästen, sie schüttelt schwere Schneelast einfach ab und schiebt sich als hoher Sichtschutz sogar in eine enge Ecke.

Vermehrung

Wie du weitere Gemeine Fichten heranziehst, hängt davon ab, was du möchtest: Die wilde Art fällt aus Samen sortenecht aus, während die begehrten hängenden und zwergwüchsigen Formen geklont werden müssen, um sich selbst treu zu bleiben.

AussaatMittel

Stratifizierten Samen im Frühling aussäen · 2 bis 4 Jahre bis zu einem verpflanzbaren Sämling

Willst du die echte Art statt einer benannten Sorte, ist Samen dein Weg, denn Sorten fallen so nicht sortenecht aus. Gib dem Samen etwa einen Monat kalte, feuchte Stratifikation, säe ihn im Frühling aus, und übe dich dann einfach in Geduld, denn es dauert 2 bis 4 Jahre, bis ein Sämling groß genug zum Umsetzen ist.

VeredelungAnspruchsvoll

Spätwinter unter Schutz · 1 bis 2 Jahre

Die zwergwüchsigen und hängenden Sorten wie 'Pendula' und 'Nidiformis' bleiben durch Veredelung sortenecht, aufgepfropft im Spätwinter unter Schutz auf sämlingsstarke Unterlagen. Das erfordert eine ruhige Hand, doch die Veredelungsstelle wächst innerhalb von 1 bis 2 Jahren zusammen an, sodass sich der Aufwand lohnt.

AbsenkerMittel

Frühling · 1 bis 2 Jahre bis zur Bewurzelung

Niederliegende und hängende Formen machen es dir hier leicht, sie legen sich von selbst ab, wo tiefe Äste den Boden berühren, und wurzeln dort, wo sie ihn berühren. Fixiere einen Ast im Frühling am Boden, und er wurzelt binnen 1 bis 2 Jahren, bereit, abgetrennt und umgesetzt zu werden, sobald er sich eingelebt hat.

Mythen

Mythos

Die Gemeine Fichte und die Colorado-Blaufichte sind im Grunde austauschbar.

Realität

Diese beiden lassen sich weit weniger leicht gegeneinander tauschen, als ein flüchtiger Blick vermuten lässt. Die Gemeine Fichte wächst schneller, kommt mit Hitze und gemischten Standorten besser zurecht und trotzt der Rhizosphaera-Nadelschütte und dem Cytospora-Rindenkrebs weit besser als die Blaufichte. Wenn du einen robusteren, langlebigeren Landschaftsbaum willst, ist die Gemeine Fichte die freundlichere Wahl.

Mythos

Fichten-Weihnachtsbäume sind giftig für Katzen und Hunde.

Realität

Diese Sorge kannst du beiseitelegen, denn die Fichte enthält kein echtes Gift. Gekaute Nadeln reizen Mund und Magen höchstens leicht oder rein mechanisch, und die eigentlichen Risiken sind eine vorübergehende Verstimmung oder, bei größeren Mengen, eine Verstopfung. Die Gefahr liegt in den scharfen, unverdaulichen Nadeln, nicht im Gift.

Quellen